Noch sind Landwirte im heißen Australien dem Wetter bedingungslos ausgeliefert. Mit jeder Dürre droht Weinbauern oder Fleischexporteuren der Ruin. Doch davor können sich die Farmer künftig mit Termingeschäften, sogenannten Wasser-Futures, schützen. Daran zumindest arbeitet die Börse in Sydney zusammen mit einem Wasserversorger.

Weltweit haben die Börsianer den Rohstoff Wasser und damit einen Milliardenmarkt entdeckt. Der weltweite Umsatz der privaten Wasserversorger wird jährlich um 10 bis 15 Prozent wachsen, schätzen Analysten der niederländischen Bank ABN Amro. Bereits in drei Jahren soll der weltweite Umsatz in der Wasserbranche jährlich bei 400 Milliarden Dollar liegen.

Die Papiere in Sydney orientieren sich an einem Index, der den Wasserpegel in den Stauseen abbildet. Besitzt der Farmer zum Beispiel für 1000 Dollar Zertifikate und erwartet er fallende Pegel, dann verkauft er seine Papiere rechtzeitig zu diesem Preis. Sinkt der Pegel dann tatsächlich, zum Beispiel um 50 Prozent, dann hat sich auch der Wert der Zertifikate halbiert. Der Farmer kauft sich die gleichen Anteile wie vorher für 500 Dollar zurück und realisiert an der Börse einen Gewinn von 500 Dollar. Die Dürre wird so abgepuffert.

Auf den Wasserpreis haben die Futures keinen Einfluss, sie sind ein reines Anlageprodukt. Nicht nur in Australien, auch in Deutschland setzt die Finanzwelt auf die Wasserbranche als emerging market und legt sogenannte Wasserzertifikate auf. Die Anlageprodukte investieren ausschließlich in Unternehmen der Wasserindustrie. » Emittenten suchen immer neue Nischen, die sich unabhängig von den klassischen Anlagen wie Immobilien oder Aktienfonds aus Industrieländern entwickeln«, erklärt Florian Schoeller von der Ratingagentur Scope, »das macht die Wasserbranche attraktiv.«

Mehr als zehn Wasserzertifikate können Anleger in Deutschland inzwischen kaufen. Die Produkte schneiden ordentlich ab. Der Weltwasserindex der Société Général verzeichnete im vergangenen Jahr ein Plus von 11,5 Prozent, das Wasserzertifikat der UBS gar einen Wertzuwachs von 22,6 Prozent. Zum Vergleich: Der weltweite MSCI-Index, der die Entwicklung der größten börsennotierten Unternehmen abbildet, legte in 2006 nur 7,9 Prozent zu. Scope schätzt, dass deutsche Anleger bereits 250 Millionen Euro in Wasserzertifikate und thematisch ähnliche Produkte investiert haben.

Wer das Stichwort Ressourcenknappheit hört, denkt wohl zuerst an Öl und Gas. Dabei sieht bei Wasser die Lage weitaus dramatischer aus: Zwar bedeckt es rund 70 Prozent der Erdoberfläche, doch nur ein Prozent davon ist trinkbares Süßwasser. Die Nachfrage danach steigt rasant. Schon heute haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu ausreichendem Trinkwasser, im Jahr 2030 könnten es zwei Drittel der Weltbevölkerung sein.

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