Am Anfang geht die Sonne auf. Trompetenfanfaren kündigen Großes an.

Raketen steigen hoch, Doktorhüte fliegen durch die Luft - wichtige Männer Kofi Annan, George Bush, Johannes Rau halten wichtige Reden. Und eine Stimme unterlegt das Werbevideo mit den Zauberworten moderner Universitäts-PR, "Innovation und Kreativität", "Exzellenz in Forschung und Lehre", "ein Magnet für die Besten der Besten".

Kein Zweifel, die mediale Selbstdarstellung der Pekinger Tsinghua-Universität hat bereits höchstes internationales Niveau erreicht. Die Hochschule selbst will dorthin erst in vier Jahren gelangen. 2011, zum hundertjährigen Bestehen, soll Tsinghua "eine der besten Universitäten der Welt sein", verkündet Vizepräsident Xie Weihe vergleichbar mit Harvard, Stanford oder Cambridge. In China stehe man bereits an der Spitze. Ob Publikationen, Patente, Drittmittel oder Forschungspreise: Immer sei Tsinghua, diese "Maschine für die Entwicklung Chinas", die "Nummer eins", sagt Xie.

Bescheidenheit ist im weltweiten wissenschaftlichen Wettbewerb keine Tugend. Das haben Chinas Forschungseinrichtungen als eine der ersten Lektionen gelernt. Wer die großen Universitäten in Peking und Shanghai besucht, trifft auf Wissenschaftler und Hochschulmanager, deren Selbstbewusstsein nur noch von ihren Ambitionen übertroffen wird: Sie wollen anknüpfen an die glorreiche Zeit, als im Reich der Mitte Schießpulver und Kompass erfunden wurden. China will selbst forschen, Ideen für eigene Produkte finden und nicht mehr nur das billig produzieren, was in amerikanischen oder europäischen Labors ersonnen wurde. 1998 verkündete der damalige Präsident Jiang Zemin, China brauche international konkurrenzfähige Universitäten. Knapp zehn Jahre später zeigt sich nun, mit welch enormen Schritten die Wissenschaft in ihrer Aufholjagd vorankommt und welch langer Weg noch vor ihr liegt.

Die Studentenzahlen haben sich in knapp zehn Jahren vervierfacht

Denn bis heute kämpfen die Universitäten des Landes gegen die Last der Vergangenheit: gegen stumpfes Auswendiglernen und staatliche Bürokratie, unoriginelle Forschung und schamlosen Ideenklau. Und wenn die Pekinger Tsinghua-Universität in ihrer Selbstdarstellung auf vereinzelte Artikel in Nature oder Science und auf einen chinesischen Nobelpreisträger in ihren Reihen verweist, kann man diesen Stolz auch anders lesen: Selbst für chinesische Elitehochschulen ist es noch keine Selbstverständlichkeit, in Topjournalen zu publizieren. Und der Nobelpreisträger Chen Ning Yang, 85, hat ein halbes Jahrhundert in den USA geforscht.

Wer die tatsächliche Forschungsmacht Chinas bewerten will, muss hinter viele Fassaden schauen. Selbst professionellen Beobachtern fallen realistische Einschätzungen schwer. Im Dezember berichtete die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), China würde im Jahr 2006 erstmals mehr Geld in Forschung und Entwicklung (FuE) investieren als jedes andere Land der Welt außer den USA. Die 136 Milliarden Dollar der OECD schrumpfen indes auf ein Viertel, wenn man sich die chinesischen Statistiken anschaut. Noch liegt der FuE-Anteil am chinesischen Bruttosozialprodukt bei 1,3 Prozent - rund die Hälfte von dem der Bundesrepublik. Doch die Steigerungsraten sind beeindruckend: Seit 1999 wachsen die Wissenschaftsausgaben jährlich um rund 20 Prozent. Der Staat investiert in Masse und Klasse. So hat sich die Studentenzahl in einem knappen Jahrzehnt vervierfacht. Und das Potenzial ist keineswegs ausgeschöpft. " In den nächsten 15 Jahren muss China mindestens 800 neue Hochschulen gründen, um die Nachfrage zu befriedigen", zitiert China Daily den Präsidenten der Shanghaier Akademie für Erziehungswissenschaften, Hu Ruiwen.

Derzeit erstreben rund vier Millionen Chinesen pro Jahr eine akademische Ausbildung am liebsten an der Tsinghua. " Wir können unsere Studenten aus dem größten Talentpool der Welt aussuchen", sagt Vizepräsident Xie. Nur 0,3 Prozent der Bewerber schaffen es auf seine Universität. Ausgewählt werden sie in einem landesweiten Examen (Gaokao), auf das sie jahrelang hinarbeiten.