Deutschland ist gelb. Wie immer im Frühjahr blühen die Felder, auf denen der Raps wächst: Rohstoff für die Tanks von Dieselautos, Biosprit. Bio? Tatsächlich treibt da eine Illusion ihre Blüten. Denn nicht alles, was nachwächst, verdient das grüne Etikett. Weil nur aus dem Rapssamen, nicht aber aus der ganzen Pflanze Biodiesel gewonnen wird, ist der Kraftstoff vom Acker sogar ein ökologischer Flop. Verschwendung. BILD Klicken Sie auf die Grafik, um sie zu vergrößern

Ökologisch korrekter ist, was Michael Glos junior treibt. Der Sohn des Bundeswirtschaftsministers produziert seit einigen Monaten im fränkischen Brünnau Biogas. Dabei wird die gesamte Pflanzenmasse vom Acker zu flüchtiger Energie. Der Ertrag ist rund dreimal so hoch wie bei der Produktion von flüssigem Biodiesel.

Biogas schlägt Biosprit: Die Erkenntnis spricht sich herum und eint, überraschender geht es kaum, die grüne Gemeinde ausgerechnet mit Deutschlands größtem Energieriesen. E.on, Atomstromproduzent Nummer eins im Lande und mit seiner Tochter Ruhrgas der bedeutendste Importeur von russischem Erdgas, hat das Geschäft mit dem Gas vom Acker entdeckt. Ein vor Kurzem gegründetes Tochterunternehmen des Konzerns hat den Auftrag, die nachwachsende Energie kommerziell zu erschließen, in das weit verzweigte Netz der Erdgasleitungen einzuspeisen und damit überall verfügbar zu machen. Das sei »das Topthema« in puncto Energieeffizienz und Klimaschutz, heißt es bei E.on.

Das Geschäft, das sich da auftut, findet den Zuspruch von Umweltschützern. Ins Netz gespeist, könne das Gas vom Bauern praktisch an jedem Ort »effektiv genutzt werden«, so die Umweltvereinigung BUND in einer vergangene Woche publizierten Denkschrift. Biogas ins Erdgasnetz – auch laut dem Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen ist die neue Technologie Bestandteil des »Energieportfolios für die Zukunft«.

Das Potenzial ist immens. Biogas könnte in absehbarer Zeit Europas gesamten Erdgasbedarf decken, besagen ernst zu nehmende Studien. Es könnte den Europäern gar die Sorge um die Sicherheit des Nachschubs von sibirischem Erdgas nehmen. Und es könnte Wirklichkeit werden lassen, worauf sich Europas Staats- und Regierungschefs Anfang März beim EU-Gipfel geeinigt haben: den Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2020 deutlich zu vermindern.

Das sind ganz neue Perspektiven. Bisher galt es als ökologisch korrekt, mit in der Sonne gereiften »Nawaros«, nachwachsenden Rohstoffen, zu heizen oder zu fahren. Plötzlich ist das nicht mehr so. Plötzlich greift die Erkenntnis um sich, dass der Anbau von Energiepflanzen ökologische Kollateralschäden verursacht und mit der Herstellung von Nahrungsmitteln konkurriert – und dass die Biomasse deshalb gefälligst nur mit größtmöglichem Energieeffekt zu nutzen ist.