An diesem Donnerstag gegen halb eins wird es ernst in Raum E3-D01. Nicht dass der Passivraucherschutz, die Folgen des Orkans Kyrill oder die Erbschaftsteuer heitere Themen wären. Aber wenn der Haushalts- und Finanzausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags dort zusammentritt, interessiert die Öffentlichkeit vor allem der Tagesordnungspunkt zwei: »Aktuelle Vorfälle im Eigenhandel der WestLB«. BILD

Erwartet wird ein Bericht von Landesfinanzminister Helmut Linssen (CDU). Erwünscht wäre auch eine Stellungnahme von WestLB-Chef Thomas R. Fischer. Doch Fehlanzeige. »Herr Fischer wurde eingeladen, doch er wird an der Sitzung nicht teilnehmen«, sagt die Ausschussvorsitzende Anke Brunn (SPD).

Dem Bankchef ist es dafür noch zu früh. Die haus-eigene Taskforce, die Finanzaufsicht BaFin, die Staatsanwaltschaft – sie alle durchforsten in diesen Tagen die Zentrale der WestLB in Düsseldorf, sie alle beanspruchen die Aufmerksamkeit des Vorstandschefs.

Zwei Händler des Hauses haben riskante Geschäfte getätigt – zu riskante Geschäfte, mit dem eigenen Geld der Bank. Weil die Spekulation fehlschlug, hat die Bank – zumindest auf dem Papier – viele Millionen Euro verloren. Von Marktmanipulationen ist die Rede, und so laufen fieberhaft Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Wertpapierhandelsgesetz und Untreue.

Weil das Land Nordrhein-Westfalen mit gut 37 Prozent größter Anteilseigner der WestLB ist, legt auch die Politik »Wert auf eine schnelle Aufklärung« (Brunn). Am kommenden Mittwoch tritt zudem der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammen, zunächst der Prüfungs- und der Risikoausschuss, dann das Plenum des obersten Kontrollgremiums. »Der gesamte Vorstand wird die Vorkommnisse darlegen«, heißt es.

Als wäre all das nicht genug, sorgte die WestLB für zusätzliche Schlagzeilen: Wie vergangene Woche bekannt wurde, hält sie vorübergehend 14 Prozent am Autokonzern DaimlerChrysler. Weil diese fast neun Milliarden Euro wert sind und die Umstände des Geschäfts nahelegen, dass die WestLB dabei ausländischen Investoren geholfen hat, Steuern zu sparen, ist die Verwunderung im Markt und in den Medien groß.