Monsieur Galbois macht einen zufriedenen Eindruck. Sitzt mit locker übereinandergeschlagenen Beinen auf der Terrassenbar seines Hotel Welcome, trinkt seinen zweiten Gin Tonic, blickt hin und wieder übers Mittelmeer zum Cap Ferrat hin, wo man die Rothschild-Villa sieht. Wenn er gerade nicht spricht, hört man das Meer jenseits der kleinen Straße vor dem Hotel an die Hafenmauer pochen.

Der 60-Jährige hat vor Kurzem eine Bruchlandung mit seinem Privatflugzeug unbeschadet überstanden, und morgen wird seine 16-Meter-Yacht geliefert, auf der er mit seiner neuen Lebenspartnerin die Welt immer wieder mal ein wenig hinter sich lassen möchte. Es muss schön sein, die neue Yacht zu besteigen, die Segel zu hissen, den kleinen Hafen von Villefranche-sur-Mer, zehn Autominuten von Nizza entfernt, zu verlassen, kurz über die Schulter zu blicken, sein Hotel nochmals zu sehen und sich dann sorgenfrei die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.

Im Vergleich zu seinem großzügigen Lebensstil mit Euphorie und Optimismus ist sein Hotel Welcome eher klein. 32 Zimmer auf sechs Stockwerken, alle gehen zum Meer hin, haben Balkon, hübsche Zimmer sind’s, nicht groß, nicht klein, gehobener Standard, aber ohne Bademantel. Die meisten Zimmer sind belegt. Wie meistens und wie immer schon. Das Hotel habe ein Geheimnis, etwas Magisches, sagt Monsieur Olivier, der Chef de Réception: »Es läuft von selbst.«

An den Wänden der Bar im Erdgeschoss hängen alte Schwarzweißfotos, die vielleicht erklären, warum dem Welcome die Gnade widerfährt, nicht am Wettbewerb um Auslastung und Rendite teilnehmen zu müssen. Das Welcome hatte berühmte Gäste, schon immer. W. Somerset Maugham war darunter, Henry Ford, Jack Warner von Warner Bros., der griechische Reeder Stavros Niarchos, Errol Flynn, Winston Churchill, Catherine Deneuve. Und natürlich Jean Cocteau, der die ganze Szene vom Montparnasse ins Hotel brachte, der hier jahrelang zwei Zimmer hatte, eines, um Gäste zu empfangen, und eines, um Opium zu rauchen. Gegenüber dem Hotel liegt die Kapelle Saint-Pierre des Pêcheurs, die Cocteau, stimmte der Mix aus Nüchternheit und Rausch, mit biblischen Schlüsselmotiven manchmal eindrucksvoll dekoriert hat.

Die Upperclass war das eine Erfolgsrezept, das andere war die Lage. Das lachsfarbene Welcome war, als es noch keine Handys gab, das office du port für die Yachtbesitzer, die anlegten und die Bar und das Telefon in Beschlag nahmen und im Restaurant speisten. Das Restaurant gibts seit sechs Jahren nicht mehr. »War zu viel Arbeit«, sagt Monsieur Galbois kurz.

Natürlich können die Gäste von heute mit der Klasse von einst nicht mithalten. Eine solide, etwas in die Jahre gekommene obere und hauptsächlich Englisch sprechende Mittelschicht bewohnt die Zimmer. Nette Menschen, die auf der Terrasse sitzen, ab und an einen Skizzenblock auf den Knien, und abends ein paar Drinks in der Terrassenbar kippen und plaudern.