Ganz schön abgebrüht, diese Finanzfüchse bei der Schwedischen Reichsbank. In den vergangenen zwölf Monaten haben sie ihren Arbeitgeber um schätzungsweise 600 Millionen Euro reicher gemacht. Ihr Kniff: die Währungsreserven zur richtigen Zeit umschichten. Vor einem Jahr stießen sie den Dollar und den japanischen Yen ab und stockten dagegen bei norwegischen Kronen und noch mehr beim Euro auf. Seither hält die Reichsbank 50 Prozent ihrer Reserven, die sich immerhin auf 20 Milliarden Euro belaufen, in Euro und nur noch 20 Prozent in Dollar.

Das hat sich als gutes Devisengeschäft erwiesen. In den zwölf Monaten, seit die Schweden ihre Anlagestrategie veränderten, ist der Euro gegenüber dem Dollar um zehn Prozent gestiegen und gegenüber dem Yen um fast 13 Prozent. Zum Wochenbeginn war ein Euro mehr als 1,36 Dollar wert und damit nur noch einen Hauch von seinem Allzeithoch entfernt. Händler und Analysten am Devisenmarkt rechnen schon mit neuen Rekorden: "1,40 Dollar für einen Euro und 2,10 Dollar für ein britisches Pfund", lauten die aktuellen Vorhersagen von Steve Barrow, dem Chefwährungsstrategen des Brokerhauses Bear Stearns.

Das Ungewöhnliche ist aber: Notenbankiers wie die schwedischen Währungshüter sind eigentlich keine Devisenhändler. Traditionell beschaffen sie sich ausländische Währungen nur für den Notfall, um ihren Wechselkurs durch Devisenverkäufe stützen zu können, um Schulden im Ausland zu bedienen oder Importe bezahlen zu können. Die Schweden aber geben als erste westliche Notenbank noch ein anderes Motiv an: dass sie nämlich einen "guten langfristigen Ertrag" wollen. Dafür haben sie Anfang 2006 sogar die Statuten umgeschrieben.

Sie stehen damit an der Spitze eines weltweiten Umbaus am Weltfinanzsystem. In vielen Ländern blicken Notenbankchefs neuerdings auf ihre Währungsreserven wie auf Kapitalanlagen und fordern, dass sie unterm Strich etwas bringen müssen. Ein Beispiel ist die chinesische Zentralbank, die eine Rekordsumme von einer Billion Dollar – das sind tausend Milliarden – angesammelt hat. Ein Teil davon soll von Ende 2007 an ertragreicher in einem riesigen Fonds angelegt werden, der nicht mehr der Notenbank, sondern der Regierung untersteht.

Diese State Foreign Investment Corporation (SFIC) soll eine ganze Reihe von Zielen verfolgen, die Notenbankiers bisher selten im Auge hatten: strategische Investitionen im Ausland etwa, um Rohstoffe zu sichern, und gewinnbringende Anlagen aller Art am internationalen Kapitalmarkt. Auch Japan denke jetzt über ein solches Vehikel nach, berichtete die Financial Times. Singapur hat schon eines, und Erdölexporteure wie Norwegen, Venezuela und Kuwait legen ihre Petrodollars längst in profitorientierten "Öl-Fonds" an.