DIE ZEIT: Herr Minister, vor einem Jahr waren Sie noch skeptisch, ob sich aus dem Klimaschutz tatsächlich ein überragendes Thema machen lässt. Wie ist es trotzdem dazu gekommen?

Sigmar Gabriel: Die Häufung extremer Wetterereignisse und die Berichte über die weltweit bedrohlichen Folgen des Klimawandels haben das Ihre getan. Vor allem aber der Umstand, dass die Erderwärmung zunehmend ein wirtschaftliches Thema geworden ist. Es wird eben immer klarer, dass die Schäden unglaublich teuer werden – und dass die Lebensperspektiven der wachsenden Weltbevölkerung sich dramatisch ändern.

ZEIT: Behält das Thema seine Konjunktur?

Gabriel: Das Thema wird an Bedeutung gewinnen, leider.

ZEIT: Leider?

Gabriel: Ja, weil es natürlich Katastrophen sind, die das Interesse auf sich ziehen, weil Hurrikane und Dürren zunehmen…

ZEIT: …wie derzeit schon in Brandenburg…

Gabriel: …und vor allem in Afrika, wo deshalb schon heute Flüchtlingsströme unterwegs sind.

ZEIT: Hat die Aufmerksamkeit Ihre Arbeit als oberster Klimaschützer der Republik erleichtert?

Gabriel: Ich muss das Thema nicht mehr wie Sauerbier anbieten. Aber es muss eben auch endlich einmal ernst gemacht werden. In den vergangenen Jahren wurde viel geredet, wenig gemacht. Deutschland fällt deshalb zurück, da gibt es kein Vertun. Im vergangenen Jahr ist unser Ausstoß an Treibhausgasen um 0,7 Prozent gestiegen.

ZEIT: Und Sie wollen das Ruder jetzt herumreißen?

Gabriel: Sollte ich etwa auf ein Wunder warten? Wenn Klimaschutz glaubwürdig und wirksam sein soll, müssen wir unseren Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 vermindern. Das ist Erkenntnis der Forschung und entspricht einem Bundestagsbeschluss vom Herbst vergangenen Jahres. Geschafft haben wir bisher 18 Prozent.

ZEIT: Woher kommt der Rest?