Ein abgeerntetes Feld. Aus dem Boden ragen die Stummel der Halme, so wie die Blumen aus der Hand des Kindes ragen, eine kleine Gestalt, die mit leichter Neigung nach links in die Welt gestellt ist. Ein Bild als ein Knotenpunkt von Möglichkeiten, Anfängen, Ausgängen. Zehntausend solcher Bilder hat der Autor Gerhard Roth allein in den ersten zehn Jahren seines Lebens in der Steiermark gemacht und jetzt eine Auswahl veröffentlicht (Gerhard Roth: Atlas der Stille; Fotografien aus der Südsteiermark von 1976–2006; Christian Brandstätter Verlag, Wien 2007; 304 S., 740 Abb.; 49,90 €). Es ist ein Archiv des Alltags. Kinder, die spielen. Ein Pferd, das tot im Gras liegt. Eine Bäuerin in der Umarmung eines in Blüten explodierenden Holunderbusches, ein Bauer in seinem Sarg. Kniende Menschen im Gebet, Blutspuren auf dem Hemd des Schlachters, es sind Augenblicke, die mit einem Lidschlag in ein Leben saugen, das vielen wie eine Erinnerung vorkommen wird, dem Autor aber als Notiz dienen, von denen seine zukünftigen Texte ihre Inspiration nehmen. Uns, die wir vielleicht nicht so viel Fantasie mitbringen, zeigen sie einfach ein Stück Wirklichkeit, noch eines, noch eines.