Als sich vor drei Wochen in Köln die großen türkischen Verbände zu einer einstimmigen Allianz vereinten, war das eine männerlastige Veranstaltung. Die Herren küssten sich vor der Kulisse von rund 15000 Menschen in der Kölnarena auf die Wangen, hielten einander fest die Hände und streckten ihre Arme gemeinsam zur Hallendecke empor. Frauen waren bei dem historischen Zeremoniell zur Gründung des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland (KRM) auf der Bühne nicht vertreten. Asiye Köhler saß während der Verkündigung in ihrer VIP-Loge und freute sich. Mit der Vereinigung der Verbände hat sie ein Lebenswerk vollendet.

"Man hatte mich vorher gefragt, ob ich nicht wenigstens bei der Pressekonferenz vorne Platz nehme." Asiye Köhler lehnte ab. Es habe sie schon gestört, dass sich nach der Bekanntgabe ihr unbekannte Männer in den Vordergrund drängten, um sich als Väter des Erfolgs vor den Kameras der türkischen Gazetten in Szene zu setzen, sagt sie. Doch solch rampenlustige Potenz gehört nicht zu ihren Vorlieben. Sie war einfach froh, dass endlich vollbracht war, wofür sie sich 20 Jahre lang gequält hatte. Bei der Vereinigung der großen muslimischen Verbände war Asiye Köhler die Moderatorin und Strippenzieherin im Hintergrund. Die Schlagzeilen überließ sie ihrem Mann, dem konvertierten deutschstämmigen Muslim Ayyub Axel Köhler.

1983 hat sie ihn in Köln kennengelernt, wo sie, die türkische Akademikerin, als Lehrerin arbeitete. Das Paar kaufte sich ein kleines Haus in Zentralanatolien. Die Region ist ein Arbeiterlandstrich, Akademiker meiden solche Gegenden. Für gebildete Türken, sagt Asiye Köhler, gezieme es sich eigentlich nicht, mit ärmeren Menschen Tür an Tür zu wohnen. Freunde und Bekannte aus Großstädten fragen sie noch heute, wie sich die Köhlers so etwas antun konnten. Ein wenig, heißt es, müssen die beiden wohl verrückt sein. Sie sind anders. Und gerade darum genießen sie unter einfachen Muslimen hohes Ansehen.

Asiye Köhler steht für eine moderate Auslegung des Korans. Sie trägt Kopftuch, aber verlangt von niemandem, es ihr gleichzutun. Sie fordert nicht einmal das sklavische Festhalten an der vorehelichen Jungfräulichkeit, auch wenn es Vorschrift ist. "Jeder Muslim muss seine Handlung allein vor Gott verantworten", sagt sie. Ein Zwang von außen, ein von Menschenhand durchgesetztes Dogma sei dabei nicht förderlich.

Das sind mutige Worte einer Frau, die es geschafft hat, die tiefen Gräben zwischen jenen großen deutsch-türkischen Verbänden zu schließen oder wenigstens zu überbrücken, die sich untereinander kaum mehr zu sagen haben als CSU und PDS. Die Glaubensansichten und Machtansprüche vor allem von Ditib und Milli Görüş, den größten muslimischen Vereinigungen in Deutschland, waren kaum zur Deckung zu bringen.

Aber wird der neue Koordinationsrat nicht gerade von deutsch-türkischen Kritikerinnen wie Necla Kelek angegriffen, weil er frauenfeindliche Positionen vertrete? Dazu, sagt Asiye Köhler, wolle sie nichts sagen – vielleicht, so könnte man diese Haltung deuten, meint sie, in ihrer Person eine hinreichen deutliche Entgegnung zu verkörpern.