Wenn nachts der Lärm von der Hauptstraße abebbt, höre ich sie sogar durchs offene Fenster. Es klingt wie eine Mischung aus dem Knarren, mit dem in Gruselfilmen alte Türen aufgehen, und überlautem Katzenschnurren. Die Frösche quaken, zum ersten Mal in meinem neuen Teich.

Eine nächtliche Ruhestörung, die ich mir schon ewig gewünscht habe, ist doch meine Zuneigung zu Amphibien ein eindrucksvolles Beispiel frühkindlicher Prägung. Gegen widrige Umwelteinflüsse übrigens: Seit ich, hingerissen von allem, was in der Wesermarsch so hopste und quakte, fünfjährig eine sommerliche Freiluft-Teerunde dadurch sprengte, dass ich eine hinreißend riesige Erdkröte mitten auf den Tisch plumpsen ließ, hat meine Familie intensiv versucht, mich für andere Hobbys zu begeistern. Vergeblich: Ich finde Frösche immer noch unwiderstehlich.

Meine neuen Garten-Mitbewohner sind Springfrösche, und dass sie hier sind, ist schon bemerkenswert genug. Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum Rana dalmatina von der Roten Liste der bedrohten Arten ausgerechnet in meinen winzigen Hinterhof zieht. Glücklicherweise sind die Frösche dort, ihres vergleichsweise leisen Quakens wegen, absolut nachbarschaftskompatibel. Unglücklicherweise sind sie aber auch sonst eher diskret veranlagt und haben eine ausgeprägte Abneigung dagegen, neugierige Gärtnerinnen die interessanteren Aspekte ihres Soziallebens beobachten zu lassen. Sobald ich auch nur leise die Terrassentür öffne, plantscht es kurz, dann ruht der Teich still und wirkt so öde und leblos wie eine Thujahecke im Februar.

Manchmal ist die Begierde aufs falsche Objekt geleitet

Was mich diesmal besonders ärgerte, klangen doch die akustischen nächtlichen Eifersuchtsdramen nach deutlich mehr Teilnehmern als dem einzelnen Pärchen, das hier seit Jahren in einer eingegrabenen Mörtelwanne gelaicht hat.