Lüchow

Bis nach Lüchow gibt es immerhin noch Gleise; gelegentlich töffelt hier noch einmal ein Nostalgiezug über den verkrauteten Schienenstrang. Hinter dem Städtchen im abgelegenen Wendland ist endgültig Schluss. Nur die kühnsten Umweltromantiker träumten noch davon, dass hier, auf diesem schienenlosen Bahndamm, je wieder Züge verkehren würden. Sollte man wirklich bei der Straßenplanung auf solche Überbleibsel aus dem Eisenbahnzeitalter Rücksicht nehmen? Selbstverständlich nicht, fanden einige Lokalpolitiker in Lüchow und regten an, die neue Ortsumgehung quer über den alten Bahndamm zu bauen, ohne Brücke.

Aber, Überraschung, so geht es nicht. Niedersachsens FDP-Wirtschaftsminister Walter Hirche, bislang nicht als Freund des Schienenverkehrs bekannt, wies die Lüchower an, alles zu unterlassen, was zu einer Aufgabe der Bahnstrecke führen könnte. Für die endgültige Aufgabe der Bahnstrecke gebe es »nach hiesiger Auffassung keine Gründe«, erklärte das Ministerium.

Aber war das Schicksal all der kleinen Nebenstrecken und Abstellgleise nicht längst besiegelt? Hieß es nicht, die Bahn ziehe sich aus der Fläche zurück und konzentriere sich hinfort auf die lukrative Verbindung der Metropolen? Wie es scheint, ist die Wirklichkeit schon wieder etwas weiter, und der Gemeinderat im abgelegenen Lüchow bekommt den neuen Trend womöglich als einer der Ersten zu spüren. Die Bahn ist wieder da.

Fachleute beobachten diese Entwicklung allerdings schon seit Längerem: Die Kapazitäten der Schiene für den Gütertransport werden knapp. Im Hinterland der Seehäfen und auf den Zufahrtsstrecken der Alpenpässe und -tunnel stauen sich die Waren. Es ist das rasante Wachstum des Güterverkehrs insgesamt, der sich Wege sucht, wo immer sie sich finden, nur um sie alsbald zu verstopfen.

Allein im vergangenen Jahr ist die Transportleistung der verschiedenen Bahntransporteure nach Angaben des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) um mehr als zehn Prozent gewachsen. Erstmals legten die Güterzüge insgesamt die unglaubliche Strecke von 100 Milliarden Kilometer zurück. Insgesamt findet ein knappes Fünftel des Gütertransports auf der Schiene statt, Tendenz steigend.