Auf der Internetseite der Firma Questico gibt es Lob für einen Mann namens Harri: »Du bist mein Stern und mein Beistand«. Auf einem Foto zeigt er sich als Herr mit Vollbart und Achtziger-Jahre-Brille. Er ist Astrologe, bietet übers Netz seine Dienste als Hellseher an. Ein anderer Kunde war nicht so zufrieden: »Auf meine Fragen hat er nicht mehr reagiert, ich hörte ihn schnarchen. Tut mir leid, auch um mein Geld.« Harris »Energieübertragungen« kosten 1,99 Euro pro Minute. Er lässt sich über das Internetportal anwählen. Dort bewerten Ratsuchende ihre Kartenleger und Wahrsagerinnen wie beim Auktionshaus Ebay.

Questico ist ein Imperium des Übersinnlichen, ein virtueller Marktplatz der Sterne, Tarotkarten und Pendel. Das Internetforum ist die Umsatzmaschine der verblüffend erfolgreichen Firma, daneben gibt sie die Monatszeitschrift Zukunftsblick heraus (Auflage 250000) und führt den Fernsehkanal Astro TV. Questico macht 60 Millionen Euro Jahresumsatz, der Markt wächst. Vorige Woche meldete der Spiegel, die Firma stehe für 120 Millionen Euro zum Verkauf. Große deutsche Verlage seien interessiert gewesen, wegen des hohen Preises jedoch abgesprungen.

Wie können Horoskope so viel Geld wert sein? Besuch in der Firmenzentrale, einer Neubaubüroetage in Berlin-Mitte mit der Atmosphäre eines Callcenters. Ein paar Dutzend Festangestellte Vorstand, Computerexperten und unablässig schnatternde Telefonkräfte.

Questico-Gründer Sylvius Bardt ist ein sportlicher Mittvierziger ohne Hang zum Formalen, kein Anzug, keine Krawatte. » Wir suchen einen Partner für eine Internationalisierung, wir wollen die Firma weiterführen.« Deutschland sei nicht die größte Kristallkugel auf dem Weltmarkt: »In den Mittelmeerländern ist die Astroaffinität viel größer.« Da will Bardt jetzt hin. » So etwas wie uns gibt es sonst nirgends.« Die Hälfte der Deutschen, heißt es, glaube an Engel. Bardt jedoch glaubt an Business-Angels, an millionenschwere Investoren. Ein solcher ist sein wichtigster Kapitalgeber.

Bardts Sternzeichen? Schütze. In seinem Questico-Monatshoroskop steht: »Lassen Sie sich jetzt von niemandem dreinreden.« Noch nie habe er sich die Karten legen lassen, sagt Bardt. » Meinen Aszendenten kenne ich gar nicht.« Wahrscheinlich würde er bei der Beratung ungeduldig aufspringen und auf seinem Handy herumtippen. Er erzählt die Geschichte seiner Firma als Überlebenskampf. Questico fand das Glück erst, als das Unternehmen fast pleite war. Bardt und seine Vorstandskollegen arbeiteten früher bei Boston Consulting, Procter & - Gamble und SAP. Aus den USA brachten sie im Jahr 2000 das Geschäftsmodell einer Beratungsplattform mit von Handwerkstipps bis Tiergesundheit. Ein Münchner Investor, bis heute Haupteigentümer, gab sieben Millionen Euro Startkapital. Dann platzte die Internetblase.

»Wir haben unser Geschäftsmodell angepasst«, sagt Bardt.

»Lebensberatung war einer der Bereiche, die funktionierten.« Questico holte Winfried Noé als »Chef-Astrologen«, sein Name hat in der Szene Klang. Man verkauft Horoskope an eine Nachrichtenagentur, an Magazine und Zeitungen und bestückt Webseiten von Privatsendern und E-Mail-Anbietern.