In einer Welt, die immer mehr der Egomanie verfällt, ist es besonders wichtig, neuerlich auf den Solidaritätsgedanken hinzuweisen. Gerne erinnern wir uns an die Zeiten, da wir angesichts französischer Atomversuche wacker den besten Camembert verschmähten und dem – vorsichtig ausgedrückt – etwas weniger schmackhaften heimischen Käsesortiment den Vorzug gaben. Die Nukleartests fanden zwar trotzdem statt, jedoch mit schlechtem Gewissen – also zeigte die Camembertblockade Wirkung. Heute muss die mutige Idee der Bawag, Kunden mit kubanischem Teint oder Akzent jede Dienstleistung zu verweigern, als entscheidender Schlag gegen den internationalen Terror angesehen werden. Nur Subjekte, die den tatsächlichen Problemen unserer Zeit vollkommen indolent gegenüberstehen, finden weiterhin nichts dabei, ihre Melange mit kubanischem Zucker zu versüßen. Noch ist der Kampf aber nicht gewonnen. Im nächsten strengen Winter wäre es angebracht, Gaslieferungen aus dem autokratischen Imperium von Wladimir Putin zu boykottieren. Frieren für einen guten Zweck, quasi. Nur so können die Menschenrechte in Russland gestärkt werden. Der solidarisch bewusste Mensch darf auch Fragen der Globalisierung nicht ausgesparen. Ein dezenter Hinweis auf die Produktionsbedingungen der Konzerne wäre es etwa, T-Shirts von H&M öffentlich zu verbrennen. Schockierend vielleicht, aber harte Zeiten erfordern ebensolche Maßnahmen. Auch unsere Nachbarn können nun keine Nachsicht mehr erwarten, und so fordere ich aufgrund des Eurofighter-Geschäfts ein sofortiges Embargo für Kaffeebohnen, die in Deutschland geröstet wurden.

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben »

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