Als Prinz vor 15 Jahren mit dem Import von Single Malts begann, waren die exotischen Liebhaber-Whiskys in Österreich noch schwer aufzutreiben. Mittlerweile hat eine Generation schicker Genießer das hochprozentige Getränk mit der Aura von Meer, Torf und Nebel für sich entdeckt. Sogar Handelsketten wie Interspar besitzen heute eigene Single-Malt-Abteilungen. Den wachsenden Markt, sagt Prinz, habe er »mitverwaltet«. Das Potstill hat Exklusivverträge mit zehn schottischen Destillerien und 25 Abfüllern, es beliefert Großhändler und Gastronomen. Prinz organisierte kürzlich bereits zum dritten Mal seine Wiener Whiskymesse, zu der er Abfüller und Produzenten aus der ganzen Welt einlud. Whisky und Mario Prinz – das gehört in Österreich irgendwie zusammen.

Seinen ersten Single Malt hat er bei einer Veranstaltung der Destillerie Glenlivet in Wien probiert, als er sich als Assistent am Soziologie-Institut der Uni Wien mit Dingen wie dem Arbeitsalltag von Orchestermusikern, den Strukturen des Cartellverbandes oder des österreichischen Bundesheeres auseinandersetzte. So richtig gut fand er seine erste Kostprobe zwar nicht, »aber ich wollte nicht so borniert sein, und dem Getränk noch eine Chance geben«. Daraus entwickelte sich eine Leidenschaft. Prinz gründete mit einigen Mitstreitern einen Verein für Kulturaustausch, weil sich über diesen Umweg der Whiskyimport am leichtesten organisieren ließ, und verkaufte im Keller des Vienna English Theatre seine ersten Flaschen. Die Nachfrage stieg, und »mit der Uni gings ohnehin den Bach runter«. Zu verschult sei der Lehrbetrieb geworden, und in der Forschung hätte man die Jungen zu wenig rangelassen, lästert Prinz. Da sei es nur noch ein kleiner Schritt gewesen zum eigenen Whiskygeschäft.

Heute kennt er die Besitzer vieler schottischer Destillerien persönlich. Etwa dreimal im Jahr ist er »drüben«, um neue Abfüllungen zu verkosten oder einfach nur, »um das Soziale ein bisschen zu pflegen«. Und natürlich, um zu fachsimpeln – eine wichtige Beschäftigung für Whiskyliebhaber. Wenn Prinz damit einmal anfängt, geraten Uneingeweihte schnell ins Staunen. Da geht es etwa um die Frage des optimalen Alters einer bestimmten regionalen Sorte: »Wenn ein Islay oder ein Lowland zu lange in einem Refill-Sherry-Fass war, verliert er seine medizinisch-torfige Struktur und kriegt Seifentöne«, doziert der Akademiker in einer fast schon verschwörerischen Geheimsprache, in der sich die wahren Kenner verständigen. »Na ja«, relativiert Prinz, »würde man mich in eine Destillerie stellen, dann würde ich eh nicht wissen, wie die ganzen Geräte funktionieren.« Whiskyexperte – ein Titel, den ihm manche Zeitungen verpasst haben – will er schon gar nicht genannt werden: »Das ist so ein typisches Medienwort. Experte ist für mich ein jeder, dem es schmeckt.«

Die meisten seiner Kunden im Potstill kennt Prinz persönlich. Der typische Whiskykäufer? »Leute aus der Mittelschicht, die ein bisschen anglophil sind.« Echte Stammkunden seien aber oft problematisch, meint Prinz trocken: »Wenn einer jede Woche kommt, muss ich annehmen, dass er jede Woche eine Flasche Schnaps sauft. Da weiß ich nicht, ob wir den noch allzu lange als Kunden haben werden.« Zum Whisky gehöre eben Stil. Man müsse das edle Tonikum weit weg von »Komatrinken oder Saufkultur« positionieren. Deshalb hat er auch aufgehört, in seinem Laden Bier auszuschenken, erzählt er. Das Ale ist ein traditionelles Begleitgetränk zum hochprozentigen Whisky. Aber manchmal sei er sich da vorgekommen wie ein »Branntweiner«: Stammgäste standen stundenlang an der Theke herum, probierten ein Glas ums andere und tranken dazwischen ihre Biere. Nicht gut für den »Stil« und auch nicht gerade verkaufsfördernd.

»Man lernt dann eben auch für sich selbst«, sagt er. Wer den ganzen Tag mit Whisky zu tun hat, der läuft selbst Gefahr, in den Alkoholismus abzugleiten. »Man kommt schnell drauf: Entweder man ist nach zwei Jahren tot, oder man hört mit dem Trinken fast ganz auf.« Beim professionellen Whisky-Tasting gehe es nämlich nicht um die Menge. Kurz riechen und die Zunge befeuchten, das sei der Trick. Prinz: »Wenn ich dreißig verschiedene Whiskys koste, kann ich nachher noch Autofahren, so wenig trinke ich davon.«

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben »

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