Vor der Weltmeisterschaft wurde der Fußballinteressierte sehr penetrant an den Gedanken erinnert, dass Fußball und Kunst unbedingt zusammengehören. Es gab Ausstellungen, für deren Plakate sich Franz Beckenbauer mit einer Orange fotografieren ließ, die er mit seinem Kopf gegen die Wand drückte. Dann kam die sehr schöne Weltmeisterschaft, und Fußball machte die Fußballkunst vergessen. Wenn der deutsche Betrachter heute, knapp ein Jahr nach der WM, das Gemälde »Klose, Podolski and Frings (German Team Stretching)« von Elizabeth Peyton sieht, fühlt er sich nicht mehr genervt von der bemühten Parallele, sondern angenehm überrascht: Ach, wie nett, dass sich die New Yorkerin, die sonst gern Rockstars malt, an die deutschen Spieler erinnert! Endlich mal jemand, der statt der brasilianischen Trikots, die weltweit als schön erachtet werden, die unscheinbaren weißen Trikots der Deutschen schön erscheinen lässt. Die Künstlerin sagte dem Magazin »Monopol«, sie habe die drei gemalt, weil sie sie an Ballerinas von Degas erinnerten. Fußballdeutschland fühlt sich geehrt. Die Tänzer sind doch sonst immer die anderen. Und vielleicht gefällt das Bild ja auch deshalb, weil es eine Stimmung trifft, die Stimmung des Aufschwungs: Deutschland wärmt sich auf. Matthias Stolz »Klose, Podolski and Frings (German Team Stretching)« BILD