Wie in meinem Leben spielen auch in meinen Träumen und Albträumen seit der Kindheit Töne und Klänge eine wichtige Rolle. Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt, der Wirklichkeit zu entfliehen. Ich wollte hinter dem roten Theatervorhang leben, nicht davor. Die Musik, die Bühne waren schon früh mein Notausgang aus der Wirklichkeit – ich war ein ängstlicher, kränkelnder, unsportlicher Junge mit abstehenden Ohren, aber sobald ich am Klavier saß, veränderte sich alles, ich war jemand Besonderes, und die Mädchen sahen mich mit leuchtenden Augen an.

Der Traum, der Wirklichkeit zu entfliehen, hat für mich immer auch bedeutet, meinen Albträumen zu entfliehen. Ich habe mein ganzes Leben unter zum Teil extremen Albträumen gelitten. In meiner Kindheit war es ganz besonders schlimm, meine Eltern mussten mich beinahe jede Nacht wecken, weil ich vor Angst schreiend im Bett lag. Als ich älter wurde, haben die Albträume langsam nachgelassen, aber sie haben nie aufgehört, bis heute nicht.

Dabei liebe ich die Nacht, ich liebe es einzuschlafen, obwohl ich weiß, dass mich mit hoher Wahrscheinlichkeit Albträume heimsuchen werden. Als Kind waren meine Albträume surrealistisch, da waren zum Beispiel riesige, verzerrte Walzen, die sich drehten und mich zu zermalmen drohten. Solche Szenen erzählten mir Geschichten, die ich nie wirklich begreifen konnte.

Als junger Mann wurden meine Albträume dann realistischer – sie handelten von Verfolgung, Mord und Totschlag. Wahrscheinlich sind viele dieser Träume in meiner Kindheit begründet. Als Zehnjähriger musste ich mit ansehen, wie betrunkene Besatzungstruppen auf dem Hof meiner Verwandten in Lüneburg Frauen vergewaltigten und Männer erschossen.

Immer waren meine Albträume von bedrohlichem Lärm geprägt, von quälend lauter, dissonanter Musik. Diese Träume haben unter anderem dazu geführt, dass in mir der unabänderliche Wunsch reifte, Musiker zu werden. Ich habe mich nach der Erlösung durch die Musik gesehnt, nach einem Wohlklang, der die quälenden Töne der Nacht überlagert.

Heute träume ich davon, in einer Welt zu leben, aus der keine Flucht nötig ist. In einer gerechten Gesellschaft, die ihr Vorbild in der Musik findet. Eine wahrhaft gerechte Gesellschaft ist nicht nur mit dem Konzept der Sozialpolitik zu erreichen, Gerechtigkeit bedeutet nicht, Geld zu verteilen. In einer gerechten Gesellschaft gäbe es zum Beispiel gleiche Chancen auf Bildung, und jeder Mensch hätte die Möglichkeit, seinen Platz, seine Aufgabe in der Welt zu finden. Ein Zustand, in dem es keine Aggressionen mehr geben muss zwischen denen, die weniger haben, und denen, die mehr haben.