Die CSU steht wegen ihrer Drohungen an Bundespräsident Horst Köhler im Zusammenhang mit dem Gnadengesuch des ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar in der Kritik. CSU-Generalsekretär Markus Söder und andere Parteigenossen hatten damit gedroht, Köhler 2009 nicht wieder zum Bundespräsidenten zu wählen, falls er Klar begnadigt. Dies hat Köhler nich getan: Von einer Begnadigung hat er gestern abgesehen.

Nicht nur die Opposition und die SPD schießen sich nun auf den CSU-Mann ein, auch in den eigenen Reihen gerät Söder nun in die Kritik. Es sei "völlig überflüssig" und "geschmacklos" gewesen, eine Druckkulisse aufzubauen und die Begnadigung des früheren RAF-Terroristen Klar mit der Wiederwahl Köhlers zu verknüpfen, sagte der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl in der Mittwochausgabe des Münchner Merkur . Auch der rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Gehb, und Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) äußerten ihren Unmut über Söders Bemerkungen. Steht nicht nur wegen seiner Drohung gegen den Bundespräsidenten unter Druck: CSU-Generalsekretär Markus Söder

CSU-Chef Edmund Stoiber und Bayerns Innenminister Günther Beckstein nahmen Söder dagegen am Dienstag in Schutz. "Jeder weiß, dass Generalsekretäre immer wieder auch  etwas zugespitzt formulieren", sagte Stoiber. Die Grünen forderten den Rücktritt Söders. Massive Kritik kam auch von SPD und FDP.

Doch nicht nur in diesem Zusammenhang steht Söder derzeit mächtig unter Druck. Anfang Januar ist er 40 geworden. "Man wird damit wohl endgültig erwachsen und vielleicht auch ein bisschen altersmilde", beschrieb der CSU-Generalsekretär seine Gedanken zum runden Geburtstag. Kurz nach der Feier bekam Söder mit voller Wucht zu spüren, dass Erwachsensein kein Zuckerschlecken ist, schon gar nicht bei Politikern: Mit dem Sturz Edmund Stoibers begann für Söder der Kampf um sein politisches Überleben. Dabei fiel Söder auch in die alte Schwäche zurück, sich mit unbedachten Äußerungen ins Abseits zu stellen. Die Rücktrittsforderungen von SPD und Grünen wegen seines Drucks auf Bundespräsident Horst Köhler sind dabei aber weit weniger bedrohlich als die personelle Neuausrichtung der CSU.

Alleine der Blick auf die Liste der letzten CSU-Generalsekretäre dürfte Söder nachdenklich machen: Gerold Tandler, Erwin Huber, Bernd Protzner und Thomas Goppel heißen seine Vorgänger. Zwei davon, Huber und Goppel, sind als Belohnung für den Knochenjob ins Kabinett aufgestiegen. Die zwei anderen, Tandler und Protzner, wurden von ihrer Partei abserviert. An diesem politischen Scheideweg steht auch Söder, der der dienstälteste Generalsekretär der Bundestagsparteien ist. Wenn der CSU-Parteitag im September die Weichen für die Neuausrichtung der Christsozialen stellt, wird er nach dann knapp vier Jahren im Amt voraussichtlich zum letzten Mal in seiner bisherigen Funktion vor den Delegierten sprechen.

Beide Kandidaten für den CSU-Vorsitz signalisierten zumindest indirekt, dass Söder bei ihnen keine Zukunft hat. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer ist sauer auf den Franken, weil er sich früh im parteiinternen Wahlkampf auf die Seiten Hubers schlug. Huber selbst kündigte schon an, dass es im Herbst nicht nur im Amt des CSU-Chefs und Ministerpräsidenten, sondern auch an anderer Stelle Veränderungen geben könne. Dabei brachte er ins Spiel, dass auch eine Frau den Generalsekretärs-Posten bekommen könnte.