Es sah aus, als würden sie Urnen auf einem Friedhof bestatten. Barfuß, die langen weißen Kleider bis über die Knie gerafft, bearbeiteten die jungen Männer mit Hacken und Händen die harte, trockene Erde. Im Abstand von genau einem Meter verbuddelten sie die hellbraunen Tongefäße, bis nur noch deren schlanke Hälse aus dem Boden ragten. Es dauerte Wochen, bis sie alle 600 Stück davon unter die Erde gebracht hatten. Doch hier in Habbabah, einem Bergdorf nordwestlich der jemenitischen Hauptstadt Sanaa, entstand kein neuer Totenacker. Dieses Experiment soll vielmehr helfen, den Landstrich vor dem Austrocknen zu bewahren.

Denn dem Jemen, dem ärmsten Land auf der Arabischen Halbinsel, geht das Wasser aus. Lange vergangen ist die Zeit, als ein großer Staudamm, ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem und verlässliche Regenzeiten dem antiken Südarabien fruchtbare Äcker im Überfluss bescherten. Heute müssen fast drei Viertel der Lebensmittel für die rasant wachsende Bevölkerung importiert werden. Noch ist offen, wie lange hier im Hochland, wo der größte Teil der Bewohner lebt, überhaupt noch Bauern siedeln können.

Auf den Feldern in den Bergen holen Dieselpumpen das Wasser aus der Erde, aus bis zu 800 Meter Tiefe. Jedes Jahr lassen die mehr als 200000 Tiefbrunnen den Grundwasserspiegel um weitere sechs bis acht Meter sinken ein unwiederbringlicher Verlust. Felder, auf denen heute noch Weizen, Zwiebeln und Kaffee wachsen, werden veröden, schon haben Kleinbauern die ersten Dörfer aufgegeben. » Wir können das Problem nicht lösen«, sagt der stellvertretende Wasserminister Mohammed al-Hamdi. » Wir können nur den Zeitpunkt hinauszögern, an dem wir auf dem Trockenen sitzen.«

Genau das versucht Michael Klingler in Habbabah mit Tontöpfen.

Lowtech statt Hightech, günstig vor Ort produziert statt importiert.

»Der trockene Boden saugt das Wasser aus den gefüllten Töpfen, sodass es direkt und ohne Verdunstungsverluste zu den Wurzeln der rundherum angebauten Pflanzen gelangt«, erklärt der Hydrogeologe von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) das Prinzip, nach dem Chinesen schon vor über 2000 Jahren ihre Feldfrüchte wässerten. Die unterirdische Installation soll zugleich Wasser sparen und den Ertrag steigern. » Die Pflanzen stehen nie unter Stress, haben nie zu viel oder zu wenig Wasser, das sind optimale Wachstumsbedingungen«, sagt Klingler.

Die Prototypen zerbröselten im Boden nun wird Terrakotta gebrannt