Eine Regel des Klimaschutzes lautet: Die wirkungsvollsten Maßnahmen sind unspektakulär. Diesel vom Acker mag als ökologisch korrekt gelten, sinnvoller wäre es, leichtere Autos mit sparsameren Motoren zu bauen. Mehr als jedes Windrad hilft es dem Klima, den Wirkungsgrad von Turbinen in Kraftwerken zu verbessern. Die Nutzbarmachung von Wasserstoff und Brennstoffzelle ist eine grandiose Vision, aber eine fernliegende. Schnelleren Erfolg beim CO2-Einsparen versprächen einheitliche Standards für Europas Stromnetze, um diese besser verknüpfen zu können. Man kann geradezu ein Proportionalitätsgesetz aufstellen: Je mehr Hype, desto teurer wird die eingesparte Tonne Kohlendioxid.

Die meisten der unauffälligen, aber effektiven Maßnahmen wären von Unternehmen zu leisten. Es geht darum, bereits erforschte Konzepte in die Anwendung zu bringen – schnell und möglichst weltweit. Deshalb ist die Idee gut und das Motiv edel, wenn Bundesforschungsministerin Annette Schavan den Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft anschieben will. Auf dem ersten nationalen Klima-Forschungsgipfel vergangene Woche in Hamburg brachte Schavan hochrangige Vertreter beider Seiten zusammen. Ziel war es, die Grundzüge einer "Hightech-Strategie zum Klimaschutz" zu definieren. Doch die Umsetzung ist weniger gut gelungen.

Der Gipfel endete mit dem traditionellen Spiel der Forschungsförderung: Schavan renommierte mit frischem Geld, 255 Millionen Euro will sie in den nächsten drei Jahren für die Entwicklung klimafreundlicher Technologien spendieren. Die Lobbyisten der Industrie taten alles, um ihre jeweilige Branche prominent im Förderplan zu platzieren. Auf jahrealten Ideen (Leuchtdioden) und jahrzehntealten Forschungsprogrammen (Brennstoffzelle) klebt jetzt das Etikett "Klimaschutz".

Die Stimmung in Hamburg war friedlich – verdächtig friedlich. Allseits beschwor man "gesamtgesellschaftliche Verantwortung" und stritt allenfalls darum, ob man nun ein neues Manhattan-Projekt oder eher ein Mondlande - Programm brauche, um die Katastrophe abzuwenden. Wenn das alles so funktionieren würde, müsste Deutschland längst ein einsamer Vorreiter des Klimaschutzes sein.

Unternehmen rühmen sich heute gern ihres Engagements für das Klima. Doch das führt – siehe der Zusammenhang zwischen Hype und Nutzen – eher weg von effektiven Maßnahmen. Statt ein Windrad neben der Konzernzentrale aufzustellen oder ein Forschungszentrum für Wasserstofftechnik einzuweihen, sollten die Firmen sparsamere Föhns, Autos, Elektromotoren und Umspannwerke bauen. Dazu allerdings müssten sie tief in ihre altbewährten Entwicklungs-, Produktions- und Vermarktungsketten eingreifen, und das tun sie kaum freiwillig.

Annette Schavan sollte zu viel Enthusiasmus aus den Konzernleitungen als Warnung werten. Eine gelungene Klima-Wirtschaftspolitik wäre an einem vernehmlichen Murren der Industrie zu erkennen.