Stuttgart

Vor Gericht ist die Bauunternehmerin Uma Strnad wie verwandelt. Das alles tue ihr entsetzlich leid, beteuert sie vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht. 16000 Euro wird sie an ihre ehemaligen Mitarbeiter bezahlen, immerhin zwei Drittel der ausstehenden Löhne. Gegen einen Strafbefehl mit einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten hat sie Einspruch eingelegt. Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt lautet der Vorwurf.

Fälle wie dieser sind nicht leicht zu klären. In Verdacht geratene Bauunternehmer verleugnen am Telefon ihre Identität, andere geben auch auf schriftlich eingereichte Fragen keine Antwort. Zeugen, die möglicherweise Opfer sind, verschwinden ins Ausland. So bleibt am Ende oft nur ein Verdacht. Offensichtlich ist: Es gibt im deutschen Baugewerbe eine neue Masche, osteuropäische Arbeiter um ihren Lohn zu prellen. Vor allem Polen werden per Zeitungsinserat angeworben und in Deutschland als Scheinselbstständige eingesetzt. Wenn es dann ans Abrechnen geht, zahlt der Auftraggeber nicht.

Da ist zum Beispiel Robert Jedrzejewski. Er ist ein Mann mit der Statur eines Bären, doch wenn er von seiner Frau und ihrer Operation erzählt, dann vergräbt er den Kopf in seinen Armen. Er wollte ihr in Polen eine Kur schenken mit dem Geld aus Deutschland, sagt er. Am Ende war er mittellos gestrandet, zu arm, um das Benzin für die Heimreise zu bezahlen.

Jedrzejewski hatte zusammen mit elf Landsleuten für Uma Strnad in Stuttgart Einfamilienhäuser gebaut. Bei Arbeitsbeginn hatten sie Papiere unterschrieben – normaler Verwaltungskram, dachten sie und ahnten nicht, dass jeder mit seiner Unterschrift eine Firma gegründet hatte. Die zwölf Firmensitze hatten eine gemeinsame Adresse, ein Zweifamilienhaus in Stuttgart, dessen Eigentümer von nichts wusste.

Inzwischen ist Robert Jedrzejewski wieder in Polen, der Europäische Verband der Wanderarbeiter (EVW) lieh ihm etwas Geld. Der EVW ist eine kleine Organisation mit Sitz in München, die sich um gestrandete und betrogene Bauarbeiter kümmert.