Nun ist die dritte Staffel der Dancing Stars im ORF fulminant zu Ende gegangen. Nur wenige Zyniker konnten sich der Faszination entziehen. Intelligent und zugleich publikumswirksam tanzten sich Prominente in die Wohnzimmer und letztendlich auch in die Herzen der Bevölkerung. Beides geschieht in der Politik eher selten, und daher überlegt man jetzt in den Thinktanks der Parteien, den Tanz als Mittel der politischen Kommunikation zu nutzen. Die Gesundheitsministerin machte den Anfang, sie wirbelte bereits für einen guten Zweck übers Parkett. Weitere Aktionen sollen folgen. Eine Polka etwa, vorgehopst vom Kanzler selbst mit Partner Michael Häupl im Arm, könnte sehr anschaulich als Sinnbild dafür dienen, dass eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft häufig zu eheähnlicher Umklammerung führt – vor allem, was das verflixte siebente Jahr betrifft. Geplant ist angeblich auch, Martin Bartenstein, dem langweiligsten aller Minister, mit Hilfe kleiner Tanzeinlagen zu ein paar Sympathiepunkten zu verhelfen. Da denkt man an einen Standardtanz nach dem Motto: "Wenn schon Trott, dann mit Fox!" Südliche Leidenschaft wird wohl am ehesten mit dem BZÖ in Verbindung gebracht, ein Kriminaltango mit dem geschmeidigen Paar Westenthaler-Rumpold könnte also leicht Begeisterung auslösen. Strache, der alte Discohecht, ist als Meister des glatten Parketts ohnehin längst Legende. Bloß den Grünen bereitet die neue Methode politischen Marketings noch Sorge. Zwar rauchen die Köpfe in der Parteizentrale, doch die adäquate genfreie Schrittfolge für die beiden Traumtänzer Van der Bellen und Glawischnig will sich nicht finden lassen.

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben "

Nachrichten aus dem Zentrum: Das Österreich-Blog auf ZEIT online "