Mein Mann und ich haben seit vielen Jahren eine ungestillte Sehnsucht nach mehr Zeit. Nach einer Zeit, die ich nicht für mich alleine brauche. Denn die habe ich, wenn ich im Ministeramt arbeite. Ich sehne mich nach Zeit für uns beide und Zeit mit meinen Kindern. Gemeinsam im sonnendurchfluteten Garten den Tag verbringen, jeder nach seiner Fasson, ist mein ganzes Glück.
Das größte Opfer meines intensiven Lebens als Mutter und Politikerin ist die Muße. Von außen betrachtet, mag dieses politische Leben hoch spannend und schillernd sein. Für mich, die ich mittendrin stehe, ist das Drängen der Probleme immer stärker als der Genuss des schon Erreichten. Im Kopf rattern all die kleinen Rädchen, die gerade nicht ineinandergreifen wollen, dazu kommt der Druck, der intern herrscht. Dieses ewige Hetzen und innere Treiben in der Politik, noch was zu schaffen in dieser Legislaturperiode, auch noch diese Ernte in die Scheuer zu bringen. Ich glaube, erst wenn man eines Tages mal draußen ist, kann man sich zurücklehnen, verweilen und genießen.
Jeder Rückblick macht milde, das merke ich heute schon. Ich denke mir manchmal: Hätte ich doch von Anfang an Tagebuch geschrieben! Warum, frage ich mich, habe ich nach der Wahl 2005 nicht begonnen, die kleinen Niederlagen, Errungenschaften und Absurditäten des politischen Alltags aufzuschreiben? Das bereue ich sehr.
Eines Tages werden mein Mann und ich die Zeit haben, nach der ich mich heute sehne. Doch in meine Vorstellung schleicht sich die leise Sorge ein, ob wir nicht beide zu sehr darauf vertrauen, dass wir dann auch gesund und geistig voll da sein werden.
Meine Mutter starb vor fünf Jahren ganz plötzlich an Krebs. Wir hatten immer gedacht, sie würde meinen Vater überleben, weil sie stets die Stärkere, Gesündere, Lebensfrohere war. Für meinen Vater war der Tod meiner Mutter ein Schock; nichts in seinem Lebensentwurf hatte ihn darauf vorbereitet. Mir öffnete der plötzliche Tod die Augen. Seitdem wird mir immer stärker bewusst, dass man Lebenszeit nicht bedingungslos in die Zukunft verschieben kann. Man muss im Heute leben.
Im Moment erlebe ich, wie sich die Krankheit Alzheimer ohne Vorankündigung eines Menschen bemächtigen kann; wie jemand beginnt, sich von seinen Mitmenschen abzulösen, sich leise verliert und alle, die ihn umgeben, nichts dagegen tun können. Man bewegt sich unaufhaltsam auseinander, obwohl man aneinander festhält. Es ist ein mühevoller Lernprozess zwischen der zunächst irritierten Umgebung und dem Alzheimerkranken selbst.
Mein Mann und ich haben seit vielen Jahren eine ungestillte Sehnsucht nach mehr Zeit. Nach einer Zeit, die ich nicht für mich alleine brauche. Denn die habe ich, wenn ich im Ministeramt arbeite. Ich sehne mich nach Zeit für uns beide und Zeit mit meinen Kindern. Gemeinsam im sonnendurchfluteten Garten den Tag verbringen, jeder nach seiner Fasson, ist mein ganzes Glück.
Das größte Opfer meines intensiven Lebens als Mutter und Politikerin ist die Muße. Von außen betrachtet, mag dieses politische Leben hoch spannend und schillernd sein. Für mich, die ich mittendrin stehe, ist das Drängen der Probleme immer stärker als der Genuss des schon Erreichten. Im Kopf rattern all die kleinen Rädchen, die gerade nicht ineinandergreifen wollen, dazu kommt der Druck, der intern herrscht. Dieses ewige Hetzen und innere Treiben in der Politik, noch was zu schaffen in dieser Legislaturperiode, auch noch diese Ernte in die Scheuer zu bringen. Ich glaube, erst wenn man eines Tages mal draußen ist, kann man sich zurücklehnen, verweilen und genießen.