Heute bin ich zwar immer noch in manchen Gebieten eine schreckliche Perfektionistin, die partout immer alles im Griff haben will. Aber im Rückblick weiß ich, wie lehrreich es in der Kindererziehung war, dass ich mich als Mutter phasenweise völlig überfordert fühlte. Das hat den Kindern einerseits mehr Freiheiten gegeben, weil ich loslassen musste, und andrerseits hat es sie in die Pflicht genommen, selbst Verantwortung für sich und ihren Tagesablauf zu übernehmen.

Man wird durch nichts so erzogen wie durch seine Kinder. Bei meinem ersten Kind dachte ich noch, oh Gott, wie schaffst du es, dass dieses Kind heil ins Leben kommt! Inzwischen, nach sieben Kindern, habe ich gelernt und sage mit unendlicher Dankbarkeit und Entlastung: Gottlob bin ich nicht diejenige, die die Kinder »erschafft« und bis ins letzte Detail formt. Sondern es gibt andere Kräfte in ihnen, die ihre Individualität hervorbringen. Sie entwickeln sich eigenständig und gehen ihren Weg.

Und ich gebe zu, natürlich ist da ein Teil in mir, der sich leise darauf verlässt, dass die Kinder, sollten mein Mann und ich irgendwann abbauen, zusammenstehen und für uns da sein werden. Das aber ist kein »Du musst!«, sondern ein »Ich vertraue darauf«.

Aufgezeichnet von Andrea Thilo