Früh am Morgen, bei klarer und kalter Luft, war das Flugzeug in Santiago de Chile gestartet. Jetzt kreiste es vor dem mächtigen Massiv der Anden und nahm Höhe auf. 3000 Meter waren bald erreicht, dann kam es nur noch zäh voran. Mühsam nörgelte sich die kleine Klemm mit dem 80-PS-Motor an ihre Leistungsgrenze. Der Höhenmesser zeigte 4800 Meter, plötzlich rutschte die Maschine durch, jäh stieg der Berg nach oben, eine Fallbö trieb ihr Spiel mit dem vorwitzigen Fluggerät. Ein zweiter Versuch, eine zweite Fallbö, 1000 Meter abwärts.

Was sie sich da vorgenommen habe, sei »völlig ausgeschlossen«, hatte man die waghalsige Pilotin tags zuvor noch in drastischen Worten gewarnt. Mit einer so kleinen Maschine seien die Anden nicht zu meistern. Doch im dritten Versuch Tourenzähler im Alarmbereich gelang der Aufstieg auf 5000 Meter. Das reichte, ruhig flog die Maschine nun ihrem Ziel entgegen. Durchatmen, minus 15 Grad Celsius, ein Triumph, freundliche Anden. Zwei Stunden nach dem Start erreichte Elly Beinhorn ihr Ziel Mendoza in der argentinischen Pampa, wo ihr ein begeisterter Empfang bereitet wurde.

Die 25-Jährige, die 1932 dieses Meisterstück vollbrachte, war schon damals nicht nur unter Fliegern bekannt. Mit ihrem Afrikaflug im Jahr zuvor hatte sie für Furore gesorgt. Dabei war es weniger dieses Unternehmen selbst gewesen als ausgerechnet eine spektakuläre Notlandung, die ihren ersten Ruhm begründete.

Im März 1931 hatte sie in Bamako, der Hauptstadt des französischen Sudan (Mali), die Maschine bestiegen. Ziel war das legendäre Timbuktu, 700 Kilometer weiter nordöstlich. Zunächst scheint es eine ruhige Reise zu werden. Über Sandflächen, Sumpfgebiete und Seen hinweg bietet der Niger verlässliche Orientierung. Doch mitten im Fluge wird der Blick aufs schier unendliche Panorama plötzlich durch ein lautes Rumoren im Motor aufgestört. Dann steht der Propeller still, im Segelflug geht es nach unten, wo die Menschen erschrocken den Sinkflug des wunderlichen Vogels beobachten und die Flucht ergreifen. Elly Beinhorn hat Glück, dass sie nahe einer kleinen Siedlung niedergegangen ist. Dort, beim Stamm der Songhai, findet sie Unterkunft und Hilfe.

Das Kind will fliegen im Elternhaus kommt es zu dramatischen Szenen

Mit ihrer Karte in der Hand fragt sie: »Timbuktu?« Keiner versteht sie. Doch dann macht sich ein Bote auf den Weg. Und nach etlichen Tagen zieht sie mit einer Karawane dem Ziel entgegen. So erreicht sie Timbuktu, die erste Deutsche in der geheimnisvollen Stadt. Nur ihre geliebte Klemm, die musste sie zurücklassen. Da trifft aus Berlin ein Telegramm ein: Die B.Z. am Mittag, welche die Reise finanziert hat, stellt ihr eine Ersatzmaschine zur Verfügung. Jetzt wartet ganz Deutschland auf die Rückkehr der jungen Fliegerin.

Begonnen hatte alles erst wenige Jahre zuvor. Im Herbst 1928 war in Elly Beinhorns Heimatstadt Hannover der Ozeanflieger Hermann Köhl aufgetreten. Die junge Frau hatte seinen Vortrag gehört, und ihr Entschluss stand fest: Sie wollte fliegen. Gleich am nächsten Tag wurde sie beim Hannoveraner Aero-Klub vorstellig, doch man wies sie ab. Von fliegenden Frauen wollte man hier nichts wissen obwohl es lange schon Pilotinnen gab, bereits in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Die Französinnen Raymonde de Laroche und Marie Marvingt und die Belgierin Hélène Dutrieu gehörten zu den ersten - 1910 hatten sie alle drei ihren Pilotenschein gemacht. In Deutschland war es ein Jahr darauf der Dresdnerin Melli Beese als erster Frau gelungen, die heiß begehrte »Flugzeugführerlizenz« zu erfliegen.

Kurz entschlossen wendet sich Elly Beinhorn nach Berlin. Am Lützowufer bei der Deutschen Luftfahrt GmbH zeigt man sich zwar ebenfalls sehr reserviert, verzichtet aber auf ein kategorisches Nein. Zwei Monate dauere die Ausbildung und koste rund zweitausend Mark. Allenthalben Kopfschütteln, keine der jungen Fluggesellschaften stelle weibliche Piloten ein, und der beliebte Kunstflugzirkus reiche kaum, um die teure Maschine zu finanzieren. Im Elternhaus in Hannover gibt es derweil dramatische Szenen. Die Mutter schwimmt in Tränen, der Kaufmann Hans Beinhorn ist drauf und dran, seine Tochter von einem Nervenarzt untersuchen zu lassen. Nichts hilft, das Mädchen ist 21 Jahre alt und hat sich Geld zurückgelegt. Sie verschwindet nach Berlin auf dem Weg in die Lüfte, auf dem Weg nach oben.

Noch immer beherrschen die Helden des Ersten Weltkriegs die Szene, Richthofens Erben, die Pour-le-Mérite-Träger des Luftkampfs. Wenn ein Ernst Udet seine Kapriolen, seine Loopings vollführt, dann wiegt unter ihm ein Meer schaulustiger Köpfe. Die Faszination des Fliegens erlebt in den zwanziger Jahren eine erste Hochphase. Ob die majestätischen Zeppeline des Hugo Eckener, ob Linienflüge in den Ganzmetallflugzeugen von Hugo Junkers oder die Hasardeurtrips des Charles Lindbergh, der einsam und allein in 27 Stunden den Atlantik überquert jede Art von Fliegerei und Luftfahrt verspricht Abenteuer, den Ruhm des Eroberers und Entdeckers. So preist Bertolt Brecht 1929 in einem »Radiolehrstück für Knaben und Mädchen« Lindberghs Überflug: »Ein junger Mensch / Vollführte ihn. Er triumphierte / Über Sturm, Eis und gefräßige Wasser.«

Am 2. November beginnt Elly Beinhorn ihren Lehrgang für den A-Schein auf dem Flugplatz Berlin-Staaken. Im Frühjahr 1929 besteht sie die Prüfung. Wenig später ist sie schon auf der Flugschule in Würzburg, um bei dem ebenfalls hochdekorierten Weltkriegsflieger Robert Ritter von Greim den Kunstflugschein abzulegen. Hier fliegt man auch auf dem Rücken, lässt sich von der Schwerkraft in die Gurte ziehen und sieht die Erde über sich.

Elly Beinhorn hat Glück. Sie erhält eine Einladung zum Flugtag nach Königsberg. Ihr erspartes Geld reicht für die Anschaffung einer Messerschmitt 23b mit einem 80-PS-Siemens-Motor. Der berühmte Udet ist auch da, beäugt »die Neue«, hängt sich an ihre Fährte und frotzelt in gewohnter Frische: »Pass auf, dass du nicht auf den Pinsel fällst.«

Beinhorn meistert gekonnt ihre Figuren, und am Ende des Flugtages klopft ihr Udet auf die Schulter: »Schon recht nett!« Fast ein Ritterschlag. Elly Beinhorn ist in die Gemeinde aufgenommen. Jetzt fliegt sie über vielen deutschen Städten. Nach einem Jahr erhält die junge Kunstfliegerin 2000 Mark pro Auftritt. Bald absolviert sie, zusammen mit Katja Heidrich als »Kopilotin«, zusätzlich Werbeflüge für eine Brauerei und einen Zigarettenhersteller. Immer beherzter schneidet Beinhorn durch die Lüfte, und Meister Udet prophezeit mit Kennerblick: »Du wirst bald anständig auf die Nase fallen!« Zwei Wochen später ist es so weit. Die junge Pilotin will es den Gästen eines Flughafenrestaurants mal so richtig zeigen, rauscht abwärts und hat bei ihrer kapitalen Bruchlandung ein schon wunderbares Glück.

Die Kunstfliegerei genügt ihr nicht mehr. Fernweh hat sie erfasst, Afrika, Indien locken. » Das war Fliegen und das waren Piloten«, schreibt sie später, 1977, in ihren Erinnerungen.

Eine glückliche Fügung ist es, die den Reigen der Weltflüge Elly Beinhorns eröffnen sollte. Der österreichische Ethnologe und Fotograf Hugo Adolf Bernatzik und der Dresdner Anthropologe Bernhard Struck planen eine Expedition zu den Bissagos-Inseln an der afrikanischen Westküste. Sie suchen die Begleitung durch ein Sportflugzeug. Als »E.

Beinhorn« schreibt die Pilotin an Bernatzik. Man trifft sich in Wien.

Die Überraschung ist groß, als Bernatzik, der von Beinhorns Flugkünsten noch nichts gehört hat, entdecken muss, dass E. nicht für Emil oder Erich, sondern für Elly steht. Die beiden mögen sich.

Gemeinsam versuchen sie Geld für die Expedition aufzutreiben. Es ist schließlich Admiral Rudolf Lahs, der Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Luftfahrtindustrie, der eine Klemm-Maschine mit Rädern und Schwimmern anbietet. Auch Zeitungsverlage zeigen Interesse, und die B.Z. am Mittag zahlt sogar Vorschuss.

Am 4. Januar 1931 startet Elly Beinhorn zu ihrem ersten Afrikaflug und landet schon nach 650 Kilometern mit verölten Zündkerzen auf einem Schneefeld im nebelverhangenen Schwarzwald. Aus Böblingen senden die Klemm-Werke einen Mechaniker zur Ersten Hilfe. Mit sauberen Kerzen steigt die Maschine wieder auf, Kurs Südost. Über Frankreich geht es nach Spanien, Madrid, Sevilla, Gibraltar, dann weiter nach Rabat, Casablanca, Kap Juby, Port Etienne, Dakar. Die Welt liegt ihr zu Füßen. Am 1. Februar landet Elly Beinhorn in Bissau. Am Boden erwarten sie Tausende begeisterte Menschen, darunter die beiden Völkerkundler, die schon vorgereist waren.

Auf den Afrikaflug samt der berühmten »Zwischenlandung« am Niger und der Reise nach Timbuktu folgt schon 1932 die Weltumrundung mit den Stationen Bagdad, Kalkutta, Sydney, Neuseeland, folgt Südamerika, die Überquerung der Anden. Viel Geld bringt das alles nicht. Beinhorn steckt in Schulden. Entlastung kommt vom Reichspräsidenten. 10000 Mark erhält sie mit dem Hindenburgpokal »für die beste sportfliegerische Leistung«.

Im Sommer 1933 geht es denn auch gleich wieder nach Afrika, Berlin Kapstadt Berlin, 28000 Kilometer. Auf der Rückreise empfängt Benito Mussolini die Pilotin im Palazzo Venezia. » Der Duce ist selbst Flieger«, schrieb sie damals in naiver Bewunderung. Vom Juli 1934 bis Anfang 1935 kreist sie über Mittelamerika, lässt sich von den Stätten der Maya faszinieren. Auf einer Reise durch die USA wirbt sie dann mit Vorträgen für die Olympischen Spiele in Deutschland. Im August 1935 bewältigt sie in einer Messerschmitt Taifun einen Interkontinentalflug an einem Tag: Gleiwitz Istanbul Berlin. Im Jahr darauf werden drei Kontinente an einem Tag absolviert: Berlin Damaskus Kairo Athen Berlin.

Flug um Flug ist Elly Beinhorn zum Star geworden und zur werbenden Botschafterin der aufstrebenden Flugzeugindustrie. Auch in Berlins Gesellschaft gehört sie jetzt dazu, und wo es große Sportereignisse zu feiern gibt, ist sie, ganz strahlend sportliche Erscheinung, gern dabei. 1935 lernt sie anlässlich eines Autorennens auf dem Masaryk-Ring bei Brünn den zwei Jahre jüngeren Rennfahrer Bernd Rosemeyer kennen. Das neue Idol der autobegeisterten Jugend erringt hier seinen ersten Grand-Prix-Sieg, Elly Beinhorn gratuliert. Es sollte nicht sein einziger Sieg an diesem Tag bleiben: Beinhorn ist fasziniert von ihrem Pilotenkollegen, die beiden verlieben sich ineinander. Schon ein Jahr später, im Juli 1936, heiraten sie. Die Propaganda des »Dritten Reiches« hat ihr Traumpaar gefunden.

Flieger wie Rennfahrer gehörten zu den Lieblingsfiguren des Regimes, das gern »Modernität« beweisen wollte. Bernd Rosemeyer war der Jüngste unter den schnellsten Fahrern und bot in der Manier des jugendlichen Draufgängers den Platzhirschen der Piste Paroli. In dem vom Autonarren Hitler großzügig subventionierten nationalen »Duell der Silberpfeile« spielte er eine besondere Rolle. Rosemeyer fuhr den Rennwagen der Auto Union, den Ferdinand Porsche entworfen hatte, und war ein gefürchteter Gegner für das Team von Mercedes-Benz, dessen stärkste Fahrer Rudolf Caracciola und Manfred von Brauchitsch hießen. Seine Fahrweise, sein ganzes jungenhaft-charmantes Auftreten machten Rosemeyer zum Helden jeder Wochenschau.

Als ihr Mann tödlich verunglückt, kondolieren Hitler und Himmler

Natürlich denkt Beinhorn nicht daran, ihre Lebensweise aufzugeben.

Während ihr Mann von Sieg zu Sieg rast, fliegt sie weiter über Länder und Meere. Immerhin, wenn es eben geht, zeigt sie sich am Pistenrand und er beschließt, den Flugschein zu machen. Zum Rennen nach Kapstadt fliegt Elly Beinhorn ihren Mann in ihrer neuen Messerschmitt Taifun.

Da gibt es wieder schöne Fotos in der Presse.

Schöne Fotos gibt es auch mit Heinz Rühmann oder mit Max Schmeling und Anni Ondra, dem anderen Glamourpaar jener Jahre. Sie alle genießen die Gunst des Regimes, das sie braucht, da so viele andere Stars der Zeit längst aus Deutschland verjagt und vertrieben sind.

Im November 1937 bekommt Elly Beinhorn einen Sohn: Bernd. Ihr Glück ist vollkommen als sie jäh ein Schicksalsschlag trifft. Im Januar 1938 steht ihr Mann schon wieder im Duell der Automarken. Auf einem Abschnitt der Reichsautobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt sollen neue Rekorde aufgestellt werden. Am frühen Morgen des 28. Januar schafft Carraciola 432 km/h und überbietet Rosemeyers Bestmarke vom Oktober 1937. Der startet zum Konter. Da erfasst eine Windbö aus einer Waldschneise Rosemeyers gleißendes Gefährt bei über 430 km/h.

Mehrmalige Überschläge zerfetzen das Auto, Rosemeyer wird aus dem Wagen geschleudert und ist sofort tot.

Der »Führer« kondoliert, und auch Heinrich Himmler schickt im Namen der SS ein Telegramm: »Zum Tode Ihres Mannes, unseres lieben und mutigen Kameraden, dieses immer einsatzbereiten Deutschen, spreche ich Ihnen mein und der gesamten Schutzstaffel herzlichstes Beileid aus.

Ein Motorsturm der SS wird für immer seinen Namen tragen.«

Eine kritische Reflexion der Nazijahre sucht man in Elly Beinhorns Schriften vergeblich. Dennoch begehrte sie wohl, an dem, was nun kam, nicht schuld zu sein. Sie zieht sich völlig zurück. Mit dem Fliegen ist es vorbei. Kurz nach der Rückkehr von einem letzten großen Flug nach Persien und Indien beginnt in Deutschland, was lange schon vorbereitet wurde: der nächste große Krieg. Die Ära der unschuldigen Sportfliegerei ist endgültig beendet, jetzt beherrschen Jagdflieger den Himmel, und die Bomber.

1941 heiratet sie den drei Jahre älteren Industriekaufmann Karl Wittmann, eine Tochter wird geboren. Beinhorn will jetzt nur noch Ehefrau und Mutter sein. Andere Fliegerinnen stellen sich derweil begeistert der Luftwaffe zur Verfügung, Beate Uhse zum Beispiel oder die hitlergläubige Hanna Reitsch, die in den letzten Kriegstagen plant, eine Kamikazestaffel nach japanischem Vorbild aufzustellen.

Noch im April 1945 schlägt sich Reitsch, begleitet von Ritter von Greim, in einem Fieseler Storch nach Berlin durch, um ihren geliebten »Führer« aus seinem Bunker zu befreien.

Schon wenige Jahre nach Kriegsende sitzt sie wieder in der Kanzel

In Freiburg erlebt Elly Beinhorn das Ende des Hitlerreiches. Entsagung allerdings ist ihre Sache nicht. Schon wenige Jahre nach dem Krieg sitzt sie wieder in der Kanzel. Sie schließt einen Vertrag mit einer Illustrierten, auch die Funkhäuser haben sie nicht vergessen - jetzt kommt noch das Fernsehen dazu. Der WDR lädt sie ein unter dem Motto Kinder, wie die Zeit vergeht. Sie schreibt jetzt auch ein sehr erfolgreiches Porträt Bernd Rosemeyers, heitere Geschichten und ein Jugendbuch , und sie fliegt.

1959 reist Beinhorn in die USA - sie ist die erste deutsche Pilotin, die nach dem Krieg eingeladen wird. Dort feiern die Sportfliegerinnen alljährlich ein eigenes Fest: Beim Powder Puff Derby, dem Puderquasten-Derby, sind ausschließlich weibliche Teams vier Tage lang unterwegs durch die Staaten. Eine australische Freundin drängt sie teilzunehmen. 66 Flugzeuge starten, die älteste Teilnehmerin ist über siebzig, die jüngste siebzehn, »fast alle zum Anbeißen hübsch«.

Elly Beinhorn wird hier keinen Pokal mehr gewinnen, doch sie ist begeistert und bewundert die perfekte Organisation des Ganzen, die souveräne Selbstverständlichkeit, mit der die Frauen hier agieren.

Viele der Teilnehmerinnen gehören zum weiblichen Militär-Fliegerkorps.

Besonders die »Ninety-Nines« bestechen durch ihre Flugkünste. 1925 hatte die legendäre Amelia Earhart diese Vereinigung von Pilotinnen gegründet - heute sind die Neunundneunziger die größte Pilotinnenorganisation der Welt. » Miss Lindy« wurde sie genannt, ob ihrer verblüffenden Ähnlichkeit mit Charles Lindbergh, in dessen Spur sie 1928 als erste Frau allein den Atlantik überquerte. Bei dem Versuch, die Welt zu umrunden, verscholl Earhart 1937 über dem Pazifik. Drei Jahre zuvor hatte Beinhorn sie auf ihrem großen Amerikaflug kennengelernt.

Noch einmal macht sich die Pilotin auf, allerdings nicht mehr im Alleinflug. 1967 tritt sie ihre große sentimentale Reise an. Sie fliegt kleine Etappen in Australien, besucht die Fidschi-Inseln, Honolulu und Kalifornien. Es ist der Abschied von der Leidenschaft ihres Lebens. Doch erst zwölf Jahre später, 1979, geschieht das Unfassbare: Elly Beinhorn gibt ihren Pilotenschein zurück.

Mancher glaubte damals, sie würde es nicht überleben. Doch sie schaffte auch das. Und so lebt Elly Beinhorn, wie es sich für ein wahres Märchen gehört, noch heute, zurückgezogen in München. Am 30.

Mai feiert sie ihren 100. Geburtstag.

Der Autor ist Historiker und lebt in Berlin. 2004 erschien seine Biografie »Ferdinand Porsche. Der Pionier und seine Welt« - Rowohlt Verlag, Reinbek - 302 S., Abb., 22,90