In einem der schönsten von Grimms Märchen verkleidet sich der liebe Gott als Wandersmann und klopft an die Tür des Reichen, aber der jagt ihn fort, und so geht Gott auf die andere Straßenseite zum Armen. Der bittet ihn, mehr hat er nicht, zu einem dünnen Süppchen. Aber so dünn es auch ist, so viele Fettäuglein hat es. Für jedes gibt ihm Gott einen goldnen Taler. Als der Reiche vom Glück des Armen hört, läuft er hinter Gott her, bittet ihn um Entschuldigung und lädt ihn zu Tisch. In die Suppe tut er so viel Fett, dass obenauf nur ein einziges großes Fettauge schwimmt. Gott gibt ihm einen Taler.

Es hat ja nun die Bundesregierung beschlossen, die Fettleibigkeit ihrer Bürger zu bekämpfen, was insofern einleuchtend ist, als dieses reiche Land von Gott aus betrachtet wie ein riesiges Fettauge wirken muss, das mitten in einer Welt der Verhungernden ganz oben schwimmt. Dieses Fettauge sollte jedem Christen (und also auch der CDU/CSU) ein Dorn im Auge sein. Die Frage jedoch lautet, ob es zwischen Frömmig- und Magerkeit eine positive Korrelation gibt. Offenbar nicht. Denn die Bayern, deren Gottesnähe Gott am besten kennt, neigen, um es milde zu sagen, eher zur Fülle, sodass wir schließen dürfen: Je dicker, desto frömmer.

Die Sache wird klarer, wenn wir Adiposität und Frömmigkeit mit dem Schokoladenverbrauch in Beziehung setzen. Der Schokoladenkonsum pro Kopf und Jahr liegt mit 10,2 Kilo in der Schweiz – sicherlich eines der gottesfürchtigsten Länder der Erde – am höchsten. Deutschland rangiert mit 9 Kilo auf Platz 4, Frankreich mit 4,9 Kilo auf Platz 12. Interessant ist nun, dass der Franzose von allen Europäern der Dünnste ist und bekanntlich zur Gottlosigkeit neigt. Aus all dem folgt, dass der Genuss von Schokolade sowohl dem körperlichen als auch dem moralischen Gewicht der Nation zugutekommt. Die Bundesregierung täte gut daran, dies im Auge zu behalten.

Was nun den Papst betrifft, so wirbt der Herder Verlag für das neue Buch mit einem Foto, das diesen an seinem Schreibtisch zeigt, darauf ein uraltes Drehscheibentelefon, wie man es nur noch bei Manufactum kriegt. Dort aber ist es schwarz und des Teufels. Das des Papstes ist natürlich weiß. Es ist das Telefon, auf dem Gott eines Tages anrufen und dem Papst sagen wird: »Benedikt, wenn du die deutschen Gotteskinder frömmer machen willst, dann denk an die Bayern und gib ihnen Schokolade!« Finis