Frankfurt

Zweiundfünfzig Jahre lang hat die SPD warten müssen auf einen wie ihn, Peter Feldmann, Jude und Sozialdemokrat und außerdem noch vieles mehr in Frankfurt am Main. Dann bekam die Partei wieder, was vor Hitler selbstverständlich war: einen Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten.

Peter Feldmann hat ebenfalls lange warten müssen. Sechs Jahre ist es her, dass der Frankfurter Kommunalpolitiker begann, für seine Idee zu werben. Angefangen hat es mit einer klitzekleinen Meldung im Vorwärts.

An die hundert Interessenten hatte Feldmann versammelt, als er jetzt verkünden konnte, dass »zum ersten Mal seit der Nazizeit von einer Partei in Deutschland solch ein Arbeitskreis offiziell institutionalisiert wurde«.

Die SPD hat den neuen Arbeitskreis begeistert begrüßt. Feldmann wiederum freut sich über die freundliche Aufnahme - dass sie ihn einem ganz persönlichen Ziel näher bringt, nämlich mit seinen Ansichten mehr Gehör zu finden, daraus macht er keinen Hehl. Feldmann und seine Mitstreiter wollen »Themen, die für die Juden in der Sozialdemokratie wichtig sind und werden, auch wichtig machen«. Den Rechtsextremismus nennt er als Beispiel, und »alles, was mit Vergangenheitsbewältigung zusammenhängt«. Auch möchte der Arbeitskreis beim Thema Nahost einbezogen werden, mitwirken in Richtung einer »aktiven und engagierten Friedenspolitik« und nicht zuletzt an Gesprächen mit Delegationen aus Israel beteiligt werden.

Täuscht der Eindruck, dass Peter Feldmann davon überzeugt ist, zu wichtigen Themen Wichtiges beitragen zu können? An Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen mangelt es ihm jedenfalls nicht. Seit 1989 sitzt Feldmann für die SPD im Stadtparlament - Politik, sagt er, sei sein Hobby, und jeder, an den er ein Anliegen richten will, stellt sich besser auf eine Menge Anrufe ein. Wenn Feldmann diesen Stil beibehält, dann bleibt der Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten sicherlich nicht nur auf Papier bestehen.