Ahmed Marcouch ist in den Niederlanden berühmt. Aber noch nicht lange. Aufmerksam wurden die Holländer auf ihren quirligen Landsmann marokkanischer Herkunft in der schweren emotionalen Krise des Jahres 2004. Damals ermordete ein junger Islamist, ebenfalls marokkanischer Abstammung, den Filmemacher und Autor Theo van Gogh. Da ging es hoch her im Polderland, und Marcouch, ein gläubiger Muslim und Kenner des Einwanderermilieus, war als viel gefragter Experte auf allen Kanälen präsent.

Mit gutem Grund. Zehn Jahre hatte Marcouch als Polizist in Problembezirken gearbeitet, dann als Lehrer und Sozialarbeiter. Er kennt die Schattenseiten des Multikulturalismus im städtischen Ballungsraum der Niederlande. Und als Vorstandsmitglied der Vereinigung marokkanischer Moscheen hatte er obendrein Einblick in die Innenwelt der religiösen Einrichtungen.

Ahmed Marcouch wusste, wo die radikalsten Prediger auftreten und wie sie die Jungen aufhetzen. Er scheute keine Debatten, nicht mit den aufgebrachten Einheimischen, die man in den Niederlanden "Autochthone" nennt, nicht mit den Wortführern der Zugewanderten, der "Allochthonen". Fortan war Marcouch, der muslimische Exbulle aus Marokko, im Land bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund.

Inzwischen ist Ahmed Marcouch der erste muslimische Bürgermeister der Niederlande. Im März 2006 hatte er für die Sozialdemokraten im Amsterdamer Stadtteil Slotervaart kandidiert und mit einem Traumergebnis gewonnen. Zum Feiern blieb kaum Zeit.

Slotervaart ist mit seinen rund 45000 Einwohnern mehr als nur ein Bezirk mit normalen Migrationsproblemen, wie sie entstehen, wenn Marokkaner, Surinamer, Türken und Südeuropäer einwandern und plötzlich die Mehrheit stellen. "In Slotervaart wohnen zehnköpfige Familien in Wohnungen von 50 Quadratmetern", sagt Marcouch.

In Slotervaart ist der Anteil an radikalen Muslimen unter den Zuwanderern besonders hoch. Es ist der Kiez, in dem Mohammed Bouyeri, der Mörder Theo van Goghs, aufgewachsen ist. In Slotervaart also findet man jenes Umfeld, in dem der junge Marokkaner sich von einem unauffälligen Jungen zum hasserfüllten Islamisten entwickelte.

Eine Herausforderung für einen wie Ahmed Marcouch. Im Wahlkampf sagte er: "Es ist fünf Minuten vor zwölf." Das sagt er immer noch. Die Probleme sind nach wie vor da. Seine Sorge: Wenn sie in Slotervaart den Druck nicht aus dem Kessel bekommen, wird dieser Stadtteil endgültig unbewohnbar.