Hamburg war in der vergangenen Woche das Ziel aller Freunde der inneren Werte. Wieder richteten vier Hobbyköche mit ihren Helfern in einer Hotelküche ein Kuttelmuddel an, dessen Zweck es war, das beste Menü eines ZEIT- Lesers (oder einer ZEIT- Leserin) zu ermitteln, in welchem Innereien verarbeitet waren.

Wien und München hatten wir bereits hinter uns gebracht, nun sollten die nach Hamburg eingeladenen Leser zeigen, wie ihre Menüs in der Realität vor unserer Jury bestehen würden. Ihre schriftlich gemachten Vorschläge schienen mir jedenfalls interessant genug, um bei unserem diesjährigen Kochwettbewerb eine Siegeschance zu haben.

Da war der Bielefelder Professor Günter Küppers, den wir bereits kannten. Er hatte sich beim letzten Kochwettbewerb zur Spitzengruppe vorgekocht mit Menüs, die ebenso erfreulich wie vernünftig waren. Diesmal hatte er sowohl Kalbskutteln als auch eine Kalbsniere im Gepäck. Bei der Niere schien es sich um eine Niere im Fettmantel zu handeln, wie ich aus seiner Rezeptbeschreibung herauslas. Das wäre schon eine Großtat zu nennen, weil solche Nieren in Deutschland eigentlich nicht verkauft werden dürfen. (Eine weitere Verordnung unserer Panik verbreitenden Bürokratie, die sich würdig in die Liste anderer Genussverbote einreiht.)

Der Bielefelder Amateurkoch trat wie schon 2004 mit seiner Frau Helga an. Und dass er sich nicht mit dem erstbesten Produkt zufriedengibt, erkannten wir an seinem Rezept für die Vorspeise. Dafür hatte er (die ebenfalls nicht leicht zu beschaffenden) Kalbskutteln vorgesehen, deren ungeheure Gelierkraft er für eine Ingwersülze zu nutzen gedachte. Auch mit seiner Nachspeise hatte er sich viel vorgenommen, sodass er zu den Favoriten gehörte.

Thomas Sell ist Jurist und Berliner. Er hatte von aufschlussreichen Erlebnissen bei einem Großonkel zu erzählen, der Metzger und Koch war. Heute hat sich Thomas Sell eine eigene Logistik aufgebaut, um an Qualitätsprodukte zu kommen. So kennt er in der Lausitz Bauern und Metzger, die ihn damit versorgen. (Immer wieder die Mühsal anspruchsvoller Konsumenten, die richtigen Produkte und Lieferanten zu finden! Wenn Feinschmecker davon berichten, weiß man erst, was die Supermarktkultur vernichtet hat.)