Nichts Neues unter der Sonne! Auch im Schach könnte man dies glauben, wenn die "Spanische Eröffnung" und "Sizilianische Verteidigung", die viele Jahrhunderte auf dem Buckel haben, immer noch die beliebtesten Eröffnungen sind, die "Schottische Partie" durch Kasparow (dem allerdings derzeit das "Anti-Putin-Gambit" mehr am Herzen liegt) wiederbelebt wurde und das "Marshall-Gambit" eine Renaissance sondergleichen erlebt. Jahrzehntelang lag dieses Gambit, welches vor fast 100 Jahren der amerikanische Haudegen Frank Marshall ausheckte, im Dornröschenschlaf, um derzeit umso kräftiger zu erblühen, jung wie eh und je. Offenbar wiegt der schwarze Angriff gegen den weißen König den geopferten Bauern auf.

Kürzlich, bei der Europameisterschaft in Dresden, kam der Hamburger Großmeister Jan Gustafsson (27) unter 400 Teilnehmern auf den neunten Platz und qualifizierte sich so für den Weltcup in Chanty-Mansijsk. Nicht zuletzt deshalb, weil er in seiner Partie gegen Deutschlands Spitzenspieler Arkadi Naiditsch (22) just dieses Gambit wagte und opfermutig gewann. Allerdings hatte er (ohne Fleiß kein Preis!) vieles in der häuslichen Studierstube vorher "ausgekocht".

Gustafsson als Schwarzer hatte unter Turmopfer den "Sargnagel" f3 ins weiße Königslager getrieben und so die furchtbare, latente Mattdrohung auf g2 aufgestellt. Doch nach 1…Sxe3 2.fxe3 fxe2 3.Dxe2 wäre Weiß mit zwei Mehrbauern aller Sorgen ledig.

Mit welchem fantastischen Opferzug konnte Schwarz indes augenblicklich gewinnen?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 20:
Wie setzt Weiß am Zug in 2 Zügen matt? Der Schlüsselzug ist das Damenopfer 1.Dxh7+!, und nach der erzwungenen Opferannahme mit 1…Kxh7 besiegelt 2.Th1 das Schicksal des schwarzen Königs – der "taumelnde" Springer e7 nimmt ihm die Fluchtfelder g8 und g6