Meine Träume sind oft sehr lebhaft. Vielleicht liegt es daran, dass ich Absinth trinke und Ähnliches. Und wenn man sein Leben allgemein schon surreal gestaltet, werden die Träume nicht unbedingt normaler. Ich mag den Gedanken, dass man im Traum leben und sterben kann. Man kann extreme Erfahrungen machen, die im realen Leben unmöglich sind. Im Traum ist man unbekümmert genug, den Augenblick zu leben. Wenn man das Gefühl für den Augenblick verliert, weil man sich immer um das Morgen sorgt, wird man nie erfahren, was es bedeutet, wirklich im Hier und Jetzt zu sein. Das habe ich in meinen Träumen gelernt.« Aus Marilyn Monroe und Charles Manson wurde Marilyn Manson BILD

Viele meiner Träume sind verwoben mit Motiven von Lewis Carroll, etwa dem des Hasen. Ich war so lange darin versunken, an einem Drehbuch über Carroll zu schreiben, dass die Grenzen zwischen seiner und meiner Welt verschwammen. Häufig gibt es auch Kombinationen von Carroll und Vladimir Nabokov, besonders aus den Büchern Lolita und Einladung zur Enthauptung. Ich sehe im Traum häufig Bilder von Enthauptungen oder ganz allgemein der Trennung des Kopfes vom Körper. Das scheint mir ein Symbol für die Trennung des Egos vom menschlichen Geist zu sein. Es gibt wiederkehrende Themen, einige findet man in meinen Texten, das Thema des Autounfalls etwa. Oder Feuer. Verbrannt werden. All diese Dinge fließen ineinander, wenn ich träume. Oft schlafe ich aber auch vor dem Fernseher ein, und was im Fernsehen passiert, blutet dann in meine Träume hinein. In den letzten Wochen träumte ich häufig von Schießereien, vermutlich wegen der dauernden Kriegsbilder im Fernsehen oder wegen des Amoklaufs in Virginia.

Meine erste Reaktion auf die Nachricht aus Virginia war: Ich kenne niemanden, der davon betroffen ist. Deshalb habe ich auch erst mal kein Gefühl dafür. Ich hatte gerade emotional eine schwierige Zeit. Gefühle wurden für mich so rar und kostbar, dass ich sie nicht an etwas verschwenden wollte, nur damit andere Leute denken, ich sei ein guter Mensch. Das bedeutet mir nichts.

Wenn die Leute einen für schuldig halten, so wie es mir nach dem Massaker in Littleton erging, dann muss man sich als öffentliche Person dazu verhalten. Aber das bedeutet nicht, dass ich etwas empfinde, so wie jene Menschen, die wirklich davon betroffen sind. Natürlich kann ich ihre Trauer verstehen. Es heißt auch nicht, dass sie mir vollkommen egal ist. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich Gefühle investiere. Ich glaube, das wäre glatter Betrug.

Es gibt definitiv im Leben die Notwendigkeit, an etwas zu glauben. Wenn du nichts hast, woran du glauben kannst, dann ist dein Leben vorbei. Für mich geht es aber nicht um das populäre Konzept von Gott. Die Schöpfung ist eine große Sache in der Religion. Darum geht es für mich auch in der Kunst: Man erschafft etwas. Ein Mensch, der schreibt oder malt, setzt etwas in die Welt. Man muss Hoffnung für die Welt haben, wenn man etwas beitragen will. Man kann nicht zugleich Künstler und Nihilist sein. Für mich ist das Religiöseste, was ich tun kann: ich selbst sein und tun, was ich tue.

Hinter mir liegt gerade eine schwierige Trennung, während der mir klar wurde, wie sehr ich mich von mir selbst entfernt hatte, ja dass ich beinahe nicht mehr wusste, wer ich war. Ich hatte das Bedürfnis zu leben verloren. Da war einfach nichts mehr, woran ich glauben konnte.