Beinahe vier Jahrzehnte lang herrschte Ruhe und Ordnung in heimischen Wäldern. Junge Eichen gingen brav auf die Baumschule, und wenn sie nicht an Wildverbiss oder Borkenkäferbefall litten, wurden die schönsten von ihnen zu Schrankwänden, während alle anderen als Pressplatten im Baumarkt endeten. Wann ein Gehölz als schön zu gelten hatte, bestimmte die Astloch-Richtlinie, mit der die Europäische Gemeinschaft 1968 so etwas wie ein Zentralabitur für Bäume einführte.

Allerdings wurde das Regelwerk über "gefälltes, entwipfeltes und entastetes Holz, auch wenn es entrindet, abgelängt oder gespalten ist", am Montag abgeschafft (Bürokratieabbau!). Von nun an gilt folglich auch im deutschen Wald: Jeder für sich. So droht heimischen Buchen und Eichen ein schonungsloser Wettbewerb mit osteuropäischen Splitterfichten und Bröselulmen allesamt schnell im Wuchs, billig in der Rodung und demnächst auch in Ihrer Schrankwand. Aber verklagen Sie bloß nicht Ihren Möbelhändler, wenn sich wieder mal eine Tür verzieht.