Lüneburg ist halbherzig.

Immer wieder treffe ich Menschen, die fast stolz darauf sind, dass sie von bestimmten Dingen keine Ahnung haben: Juristen rechnen bekanntlich nicht. Für angehende Mathematiker und Physiker beschränkt sich der Kontakt zur griechischen Antike oft auf mathematische Formeln. Der Satz des Pythagoras gehört bei ihnen zum Grundwissen. Von seinen philosophischen Gedanken müssen sie aber nie etwas gehört haben. " Ich weiß, dass ich nichts weiß." Aus diesem Satz eines anderen alten Griechen spricht Demut. Und die ist der erste Schritt zur Besserung.

Nur wie?

Schauen wir über den deutschen Tellerrand, mal wieder in die USA. Da kochen die Spitzen-Unis zwar auch nur mit Wasser. Ihre Töpfe sind dafür viel größer als unsere: Mit einem Semester Studium generale wie in Lüneburg lockt man keinen Studenten nach Stanford. Dort belegen die Studierenden als Freshmen und im anschließenden Sophomore Year, also gleich zwei Jahre lang, vor allem allgemeinbildende Kurse. Nicht zuletzt, um sich zu orientieren.

Erst im dritten Jahr geht es dann in dem gewählten Fach in die Tiefe.

Nach dem Bachelor sagen wir in Biologie können sie dann noch den Master in Jura oder Medizin draufsatteln. " Nehmen Sie sich Zeit, zu entdecken und den Wert akademischer Exzellenz zu erforschen", heißt es in Stanford. " Wenn Sie sich zu früh auf eine Disziplin festlegen, vergeben Sie die Chance, zu erkennen, was Stanford anzubieten hat."

Das beeindruckt mich sehr.