Sie kommen aus Rumänien, Japan, Russland, Österreich oder den USA. Sie sind Präsidenten internationaler Vereinigungen, Wissenschaftler, Juristen, ehemalige Botschafter und Astronauten. Drei Tage verbringen die 18 Männer und zwei Frauen am Konferenztisch in einem fensterlosen Seminarraum der International Space University etwas außerhalb von Straßburg. Draußen scheint die Maisonne auf blühende Lilien, im benachbarten Feuchtbiotop quaken die Frösche – und drinnen wird die Erde gerettet. Das ist das Ziel dieses Workshops.

Eingeladen hat Russell Schweickart, bis auf das verlorene Blond seiner Haare sind ihm die 71 Jahre kaum anzumerken. Der sportliche Exraumfahrer ist Gründer der Association of Space Explorers, einer Vereinigung der gut 500 Menschen, die als Astronauten oder Weltraumtouristen die Erde schon einmal aus der Ferne betrachten konnten. Offenbar sensibilisiert das für die Bedrohung des Blauen Planeten durch die Kollision mit anderen Himmelskörpern. »Asteroiden sind die einzige globale Naturkatastrophe, die wir mit heutigen Mitteln verhindern können«, behauptet Schweickart.

Entscheidend für eine erfolgreiche Gefahrenabwehr seien drei Ds: discovery, decision-making, deflection – also Entdeckung, Entscheidungsfindung, Ablenkung. »Der zweite Punkt ist mit Abstand der schwierigste«, meint der Ex-Astronaut, nur unter dem Dach der Vereinten Nationen könne er bewältigt werden (siehe Interview). Zwar verfügen die UN bereits seit 1959 über ein zuständiges Organ mit Sitz in Wien, das Committee on the Peaceful Uses of Outer Space (Copuos). Dessen Unterkomitee für Wissenschaft und Technik hat bereits vor acht Jahren ein 14-köpfiges action team zum Thema Asteroidenabwehr eingesetzt. »Aktivitäten hat es bisher aber keine vorgeschlagen, geschweige denn ergriffen«, kritisiert Schweickart.

Die von ihm einberufene und mit Privatspenden finanzierte Arbeitsgruppe hat dagegen einen recht knappen Zeitplan. Das Treffen in Straßburg ist der erste von vier Workshops, Ende 2009 soll der Entwurf einer Asteroiden-Konvention dem Copuos vorgelegt werden. Ob er Verwendung finden wird, steht in den Sternen. »Wir wissen von der Initiative«, ist alles, was Romana Kofler, Sprecherin des Komitees, dazu sagen möchte. Immerhin hat die Wiener UN-Behörde drei Beobachter nach Straßburg entsandt.

Fast täglich wird ein neuer Asteroid entdeckt – meist ist er harmlos

Die Gelassenheit der Vereinten Nationen in Sachen Entscheidungsfindung hat auch damit zu tun, dass sich die Fortschritte bei den beiden anderen Ds – Entdeckung und Ablenkung – in Grenzen halten. Zwar entdecken die rund 100 mit der Asteroidensuche beschäftigten Astronomen fast jeden Tag einen neuen potenziell gefährlichen Himmelskörper. Doch fast immer kann dieser nach genaueren Messungen schon wenig später wieder als harmlos von der Liste gestrichen werden. Knapp 5000 erdnahe Asteroiden sind bekannt, nur für 137 von ihnen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den nächsten 100 Jahren auf der Erde einschlagen, über null – und das auch nur sehr knapp. Selbst Apophis, der bisher gefährlichste entdeckte Asteroid, wird die Erde nach jüngsten Berechnungen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:45.000 treffen, in 29 Jahren. Anfang 2005 hatte er für Schlagzeilen gesorgt.

»Apophis war ein Glücksfall für uns«, sagt Schweickart, »denn er hat es uns ermöglicht, gründlich über den Ernstfall nachzudenken.« Als sich die Bahn des himmlischen Gesteinsbrockens genauer bestimmen ließ, konnte auch sein möglicher Einschlagsort exakter vorhergesagt werden – allerdings nicht als Punkt, sondern nur als 45 Kilometer breiter Streifen, der einmal quer über die Erdkugel führt und sich sowohl davor als auch dahinter im All fortsetzt. An irgendeiner Stelle wird Apophis am 13. April 2036 diese Linie durchstoßen. Wo genau, wird sich auch mit weiteren Messungen nicht bestimmen lassen. Für jeden Ort auf dem Streifen kann nur eine Wahrscheinlichkeit berechnet werden.