Es gibt Tage, da fühlt sich Hajo Engelke wie die Galionsfigur seines Unternehmens. Sein Name steht zwar nicht in den Zeitungen, wenn es um die Deutsche Bank geht – aber sie schmückt sich gern mit ihm. Meistens dann, wenn es um den vielversprechenden Nachwuchs geht. Auf Recruiting-Messen für Hochschulabsolventen wird Hajo Engelke gerne mitgenommen. Seht her, sagen die Personalverantwortlichen dann, unser erster Bachelor!

Dass nicht mehr nur Universitäten auf Werbetouren um Bachelorstudienanfänger buhlen, sondern sich inzwischen die Unternehmen auf die Suche nach den besten Absolventen der neuen Studiengänge begeben, ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Reform an den Hochschulen in der Unternehmensrealität angekommen ist.

Wünsche und Forderungen gab es viele: Vor allem praxisnäher und kürzer sollte die Hochschulausbildung werden, mit größeren internationalen Anteilen. Das forderte die Wirtschaft von den Hochschulen, doch als die endlich mit dem Experiment begannen, warteten die meisten Personalchefs zunächst skeptisch ab. Kaum einer wollte übereilte Versprechungen abgeben.

21 Jahre alt war Helena von Alvensleben, als sie die Internationale Fachhochschule Bad Honnef mit einem Bachelor in Luftverkehrsmanagement verließ. Sie hatte zwei Jahre straff durchstudiert, jedes Fach auf Englisch absolviert und ein Jahr lang Praktika in New York und Singapur gemacht. Praxisnäher, internationaler, schneller ließ sich kaum studieren, trotzdem hatte sie keine Ahnung, ob das reichen würde, um einen Job zu finden. Viele ihrer Freunde hatten sich gerade so richtig eingerichtet in ihrem Studentenleben, sahen in ihren Diplomstudiengängen noch lange kein Land oder schlossen nach dem Bachelor nahtlos ein Masterstudium an – aus Angst, doch keinen Platz in der Arbeitswelt zu finden.

Helena von Alvensleben dachte über Alternativen gar nicht nach. Schließlich wollte sie so früh wie möglich ins Berufsleben starten. "Auch weil ich glaube, noch mehr im praktischen Alltag als im theoretischen Hörsaal zu lernen." Bei einer Lufthansa-Tochter ist von Alvensleben jetzt im Finanzbereich beschäftigt. Sie vermarktet die Frachtkapazitäten von verschiedenen Fluggesellschaften, die keine eigene Cargo-Abteilung besitzen. Ihr Studienabschluss, ihr Alter haben im Kollegenkreis noch nie eine Rolle gespielt.

Lufthansa gehörte zu den wenigen Unternehmen, die bereits vor drei Jahren die "Bachelor Welcome"-Erklärung unterzeichneten und den Absolventen darin "attraktive Einstiegschancen" zusagten. Bologna sei auch für die Unternehmen ein tief greifender Veränderungsprozess, sagt Christoph Fay, der bei Lufthansa die Nachwuchsführungskräfteprogramme leitet. "Die Unternehmen müssen sich von ihren tradierten Vorstellungen verabschieden."