Dass Kaliforniens Farmer gut davongekommen sind, ist für ihn jedoch kein Grund zur Entwarnung. "Ich habe sterbende Völker in den USA gesehen mit viel junger Brut, aber nur noch wenigen Bienen und der Königin. Das ist ungewöhnlich." Auch die grob geschätzte Verlustrate von 25 Prozent sei beunruhigend: "Das ist hoch, zu hoch."

Weltweit treten seit Jahren verstärkte Völkerverluste auf, in Deutschland betrugen sie im Winter 2002/03 beunruhigende 30 Prozent. Deshalb wurde das Deutsche Bienenmonitoring eingeführt. Ähnliche Verluste gab es in China oder Brasilien. Die Verursacher müssen eine globale Verbreitung haben. "Hauptverdächtige sind Varroa plus X. Wobei X mit hoher Wahrscheinlichkeit ein weiteres Pathogen ist wie Bakterien, Viren oder Pilze", sagt Neumann. Die globalisierte Imkerei hat die Varroamilben, die ursprünglich aus Asien stammen, in Europa und Amerika eingeschleppt. Nebenverdächtige seien Umweltfaktoren. Elektrosmog und Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) seien dagegen "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Ursache auszuschließen".

Letzteres bestätigt auch Jerry Bromenshenk, Bienenforscher an der University of Montana in Missoula und Mitglied der amerikanischen CCD Working Group. "Wir haben viele CCD-Höfe ohne jede Funkverbindung", sagt er. Die irrige Zuordnung stamme, wie manch andere Fehlinformation, aus Deutschland. Auch GVO halte seine Arbeitsgruppe als Ursache für unwahrscheinlich, siehe die hohen Verluste im fast gentechfreien Deutschland 2002.

Bromenshenks Gruppe verfügt inzwischen über die wohl besten US-Daten. Von 630 Bienenhaltern in 49 Bundesstaaten verzeichnete rund die Hälfte niedrige bis durchschnittliche Verluste in den vergangenen 16 Monaten, vorwiegend winterbedingt. Immerhin elf Prozent beklagten schwere Verluste (etwa drei Viertel ihrer Völker), die nicht wie üblich erklärbar seien mit Varroa, Pestiziden oder Kälte, sondern mit der neuen Krankheit CCD.

Bromenshenk ist auch dem Einstein-Zitat nachgegangen und hat in Israel am Einstein-Institut angefragt. Die Antwort: Einstein hat das Bienensprüchlein nie gesagt. Es wäre auch biologischer Unsinn. Erst die Europäer haben Honigbienen nach Amerika eingeschleppt, die white man’s flies. Der Wind und Myriaden anderer Insekten sorgen ebenfalls dafür, dass Pflanzen Früchte tragen.

Die industrielle Landwirtschaft indessen braucht die Honigbiene. Milliardenschwere ökonomische Interessen werden dafür sorgen, dass sie nicht ausstirbt. Noch dominieren in Mitteleuropa Hobbyimker, die mit Liebe zu den Tieren überwiegend Honig erzeugen und dem Bauern ein Glas voll schenken, für den guten Standort. Doch die Zahl der Profis wächst. Die Vereinigungen der Bestäubungsimker in Deutschland und den Niederlanden haben bereits Mindestlöhne für ihre Tiere gefordert: 41 Euro pro Volk im Freiland für drei Wochen, unter Glas und Folie 39 Euro pro Volk und Woche. Den Bienen stehen harte Zeiten bevor.