Nach dem Beschluss von Bologna sollen die überkommenen Formen der Hochschulausbildung europaweit durch Bachelor- und Masterstudiengänge abgelöst werden. Doch so, wie die Reform derzeit umgesetzt wird, werden die Fachhochschulen dafür die Zeche zahlen. Denn der Bologna-Prozess tangiert die Rollenteilung zwischen ihnen und den Universitäten in einer Weise, die den Fachhochschulen viel von ihrer gegenwärtigen Funktion nimmt, ohne ihnen eine neue Perspektive zu eröffnen.

In der Vergangenheit waren die Claims abgesteckt. Die Universitäten bildeten für den sogenannten höheren und die Fachhochschulen für den sogenannten gehobenen Dienst aus. Zum höheren Dienst zählen heute etwa Studienräte und Juristen mit Staatsexamen, Magister der Soziologie oder Chemiker mit Universitätsdiplom. Angehörige des gehobenen Dienstes sind beispielsweise Architekten, Betriebswirte und Ingenieure mit Fachhochschuldiplom, aber auch Rechtspfleger und Verwaltungswirte.

Die Neuordnung der Studienstruktur gibt den Universitäten nun die Möglichkeit, sich mit Bachelorstudiengängen in dem Markt der Ausbildung für den gehobenen Dienst als Massenanbieter zu etablieren.

Fair wäre es, wenn die Fachhochschulen im Gegenzug die Chance erhielten, Masterprogramme aufzulegen, die den Zugang zum höheren Dienst eröffnen. Aber Fehlanzeige: Natürlich können Fachhochschulen Masterstudiengänge anbieten. Doch deren Absolventen sollen nur die Zulassung für den höheren Dienst erhalten, wenn zuvor ein komplexes Anerkennungsverfahren durchlaufen wurde, dessen Einzelheiten bis heute nicht feststehen.

Und selbst dort, wo der Bologna-Prozess nicht nur die Märkte der Fachhochschulen für die Universitäten, sondern auch die Märkte der Universitäten für die Fachhochschulen öffnet, kann von Waffengleichheit keine Rede sein. Die Disparitäten beginnen schon mit der stiefmütterlichen Behandlung der Fachhochschulen bei der Vergabe öffentlicher Mittel für Forschungszwecke. Deutlich geworden ist dies zuletzt bei der Ausgestaltung der sogenannten Exzellenzinitiative, die im großen Stil Geld in das Hochschulsystem pumpen soll und die diese Einrichtungen schlicht links liegen lässt. Die zentrale Ursache für die eingeschränkte Konkurrenzfähigkeit der Fachhochschulen liegt aber auf der strukturellen Ebene. Während Uniprofessoren Lehrveranstaltungen im Umfang von acht Stunden pro Woche abhalten, beträgt das Lehrdeputat an der Fachhochschule 18 Stunden. Während Universitäten einen akademischen Mittelbau zur Entlastung der Hochschullehrer haben, müssen ihre Kollegen an Fachhochschulen auf eine solche Unterstützung zumeist verzichten. Die Wettbewerbsnachteile sind so groß, dass es mit den Fachhochschulen von dem Augenblick an steil bergab gehen könnte, in dem die Universitäten beginnen, sich stärker als bisher für die Lehre und insbesondere die Bachelorausbildung zu begeistern.

Dass die Politik die Einführung der zweistufigen Studienstruktur nutzen will, um den Leistungsdruck in den Hochschulen zu erhöhen, ist offensichtlich. Wenn sie dabei aber außer Acht lässt, dass viele Fachhochschulen bereits heute bei ihren Leistungsgrenzen angelangt sind, muss diesen über kurz oder lang die Luft ausgehen. Gäbe man den Fachhochschulen dagegen eine faire Chance, könnten sie der Gesellschaft auch künftig wertvolle Dienste leisten. Dazu müsste aber geklärt werden, welche Funktion sie in Deutschland und dem angestrebten europäischen Hochschulraum haben sollen. Ein hochschulpolitisches Konzept, das diese Frage aufgreift, ist überfällig.

Der Autor ist Professor an der Fachhochschule für Verwaltung und Recht Berlin