Auch diesen Rock-Ruhm besiegelte der junge Tod. Am 29. Oktober 1971 verließ in Macon/Georgia Duane Allman die Welt, auf seinem Motorrad. Unverzüglich ward er entrückt und aufgehoben zum Olymp. Dort thront er mitnichten inmitten von Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison. Nein, er behaust das Nebenpalais, in dem wir auch Freddie King, Clarence White und Stevie Ray Vaughan vermuten: Göttergitarristen, deren Kunst nur für die Ohren taugt. Ikonen der "Gegenkultur" sind die Allman Brothers nie gewesen.

Sondern wirklich Brüder. Duane, geboren 1946, und der ein Jahr jüngere Gregg formten 1968 jene Band, die als Urmutter des Southern Rock gilt – ohne Rebellenkitsch und 13-Sterne-Banner. Die Allmans spielten Blues, Blues, Blues, eingedenk der Nachbarsounds. Gregg orgelte Jazzgirlanden und soulte nach Art seines Idols Little Milton. Duane brach mit Dickey Betts zu gewaltigen Gitarrenritten auf, denen sich Bassist Berry Oakley galoppierend anschloss. Zwei Drummer regelten die Reise. Jaimoe hatte zuvor bei Otis Redding getrommelt, Butch Trucks mit dem Jacksonville Symphony Orchestra gespielt und Dvořáks Aus der neuen Welt dirigiert. Den Furor, den brüllenden Hunger des Sextetts enthalten bereits die ersten beiden Platten Allman Brothers Band von 1969 und Idlewild South von 1970 (auch zusammengefasst als Beginnings). Zum großen Wurf der Band geriet 1971 das Live-Album At Fillmore East (in späterer Edition zu The Fillmore Concerts erweitert) mit Betts’ Gitarrenorgie In Memory of Elizabeth Reed und seitenfüllenden Versionen von You Don’t Love Me und Whipping Post. Schwer schaukelnd jagt die Bluesrock-Kutsche durch die dunkelblaue Welt. Welch andere Band trieb solche Hitze und Passion? John Coltranes spätes Quartett? Die Grateful Dead? Die Urelemente der hippen Kalifornier waren Luft und Wasser, die der Allmans Erde und Feuer. Freilich nutzten Generationen von Luftgitarristen At Fillmore East als Masturbationsvorlage.

1972 starb Bassist Oakley in Macon bei einem Motorradunfall, der dem von Duane Allman wie nachgestellt erschien. Fortan steuerte Dickey Betts den Allman-Sound in Richtung Country. Jessica und Ramblin’ Man wurden Jukebox-Hits. Die große Band schrumpfte zu einer guten. 1981 lösten sich die Allmans auf. Die Disko-Ära hielt wenig von langhaariger Musik.

Was blieb? Die Allman Brothers Band. Längst gibt es sie wieder – jeden März zum March-Madness-Konzertmarathon im New Yorker Beacon Theatre. Ich erlebte das 2004 und war nach neun ABB-Shows glücklich erschlagen. Unentwegt treiben die beiden alten Trommler. Greggs Soul-Organ kräht nun bisweilen, statt zu röhren. An der Gitarrenrampe berserkern Warren Haynes und Butch Trucks’ Neffe Derek, die mit Gov’t Mule und der Derek Trucks Band selbst zwei berühmte Ensembles führen. Dereks schneidendes Slide-Spiel kopiert keineswegs Duanes Butterfahrten übers Brett, so wahr wir nicht 1971 schreiben.

The Allman Brothers Band: At Fillmore East (Capricorn/Universal)