DIE ZEIT: Frau Nahles, sind Sie stolz?

Andrea Nahles: Es ist eher so eine Mischung aus Freude und Fracksausen.

ZEIT: Wir meinten eigentlich nicht den Vizevorsitz der SPD, den Sie im Herbst übernehmen sollen, sondern die Erfolge der Agenda-Politik.

Nahles: Ach so! Auch dann stimmt der Satz. (lacht) Das war ein notwendiger Schritt, Stillstand wäre die falsche Entscheidung gewesen.

ZEIT: Was bleibt dann von der Kritik an der Agenda 2010 eigentlich übrig, außer einer Stilkritik an der unsensiblen Vermittlung?

Nahles: Die Agenda 2010 ist nicht sakrosankt. Es geht nicht um Stilkritik. Eine Zwischenbilanz muss her: Die Erfolge müssen anerkannt, das Unerledigte aber ebenso ehrlich benannt werden. Dazu zählt für mich: Wir haben große Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erzielt, gleichwohl konnten wir die Schere zwischen arm und reich nicht schließen.

ZEIT: Die SPD hat derzeit das Problem, dass sie den Aufschwung nicht ernten kann, weil sie die dazu notwendigen Reformen nicht gesät haben will.

Nahles: Warum gibt es nur Umfragen über die Gemütslage der SPD? Ist doch seltsam. Meine These ist, bei der CDU sieht es ähnlich aus. Ich nehme jedenfalls definitiv mehr Selbstbewusstsein in der SPD wahr.

ZEIT: Sie repräsentieren das Linke in der SPD. Was ist eigentlich links?