Durs Grünbein ist das Edelste, was die deutsche Lyrik heute zu bieten hat: So ewigkeitlich und übergebildet ist das, dass die Worte sich unter seinen Händen leicht in Marmor verwandeln von sich selbst ganz ergriffen, in Ehrfurcht erstarrt. Wenn die deutsche Literatur ein Königreich wäre, dann wäre Grünbein (geboren 1962) der Dichterfürst - aber leider leben auch die Literaten in einer Republik, und so spreizen sich seine Verse oft sehr unzeitgemäß. Was er, der in "Porzellan" (Suhrkamp Verlag 2005 - 48 S., 14,80 Euro) zuletzt den Untergang seiner Heimatstadt Dresden beschrieben hat, als Kompliment nehmen würde