Der Mann sieht auf den ersten Blick zehn Jahre älter aus als sein Vorgänger. Tatsächlich aber beträgt der Altersunterschied zwischen dem grauhaarigen Peter Löscher und dem jungenhaften Klaus Kleinfeld nur eineinhalb Monate. Beide Manager feiern im Herbst dieses Jahres ihren 50. Geburtstag der eine auf dem Gipfel seiner beruflichen Laufbahn, der andere nach einem abruptem Karriereknick.

Für Peter Löscher geht ein Lebenstraum in Erfüllung. Am 1. Juli wird er an die Spitze eines echten Weltunternehmens treten ein Job, auf den der gebürtige Österreicher seit dem Studium hingearbeitet hat.

Löscher wird künftig einen Konzern dirigieren, der in mehr als 190 Ländern tätig ist, der rund 475000 Menschen beschäftigt und mit 87 Milliarden Euro einen Umsatz macht, der der Wirtschaftsleistung eines Landes wie der Slowakei entspricht.

Mit der Berufung Löschers hat Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, 64, rasch die Führungskrise des Technologiekonzerns bewältigt und die entscheidende Weiche für einen personellen Neuanfang in dessen Management gestellt. Wirtschaftlich in guter Verfassung, muss das Unternehmen, das bis vor Kurzem zu den angesehensten Adressen der deutschen Wirtschaft zählte, mit den Folgen jahrelangen Fehlverhaltens zahlreicher Führungskräfte fertig werden.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines Systems schwarzer Kassen, aus den Schmiergeldzahlungen in noch nicht absehbarer Höhe getätigt worden sein sollen. Das amerikanische Justizminis-terium und die US-Börsenaufsicht SEC haben offizielle Verfahren gegen Siemens eingeleitet, was gravierende Folgen für die Geschäfte haben könnte. In Nürnberg gehen Ermittler der Frage nach, ob der Konzern sich auf illegale Weise eine Arbeitnehmerorganisation nach seinen Bedürfnissen geschaffen hat.

Die Affäre brachte es mit sich, dass mit Johannes Feldmayer erstmals ein amtierender Dax-Vorstand in Untersuchungshaft genommen wurde.

Einschneidender noch: Heinrich v. Pierer, der den Konzern von 1992 bis 2005 geführt hatte, musste im April sein Amt als Chef des Aufsichtsrats aufgeben.