Lafontaine kandidierte für die WASG. Das hat alles verändert.

Weil sich da einer an die Spitze setzte, der die Sache nicht begonnen hatte?

Ja, sagte Hauser. Ja. Ja. Ja. Er ist Zugpferd, in Ordnung, aber was uns hier in Sachsen bedrückt: dass wir als kleine WASG mit unseren Vorstellungen und Idealen in der PDS verschwinden.

Ist Lafontaine ein Populist?

Wenn man was verlangt, das sich nicht realisieren lässt, ist es Populismus, sagte Sickert. Bedingungsloses Grundeinkommen und wenn einer nicht arbeiten will? Warum soll ich solche Leute mitfinanzieren?

Pssst!, machte der alte Hauser. Da isser! Lafontaine erschien samt Entourage im Foyer. Der Trupp wanderte in Richtung Markt. Senioren umschwärmten den großen Mann, knipsten, meldeten ihm hektisch die lokalen Übelstände. Genau deshalb sind wir hier, sagte Lafontaine, dagegen wollen wir jetzt Politik machen, schwer wirds, man muss es versuchen. Dann erklomm er die Bühne des DGB und begann jene schmetternde Philippika, die wir schon kennen.

Wir kannten sie seit dem 25. März 2007. Damals beschlossen in Dortmund die Parteitage von PDS und WASG ihre Fusion. Die Tagungen waren von denkwürdigem Kontrast. Bei der PDS redete Lothar Bisky einen Saal voll disziplinierter Parteikader binnen fünf Minuten in wohlige Trance.

Gregor Gysi, allzeit im autogenen Ringkampf mit seinem Ost-Sentiment, warnte vor DDR-Verklärung. Den Abstimmungs-Parcours durchritt man im Galopp. Wie anders die WASG. Endlose Debatten, Querulanz und Individualgebaren. Das Delegiertenvolk wirkte, als wäre ein Schleppnetz durch die West-Linke gegangen und hätte all die sperrig Unzufriedenen gefischt, die nach Jahrzehnten kompromisslerischer Existenz das große "Jetzt reichts!" empfanden. Dann orgelte Lafontaine. Hernach verkündete die Versammlungsleiterin, matt vor Euphorie, am liebsten würde man Oskars Rede unverzüglich als Parteiprogramm beschließen.

So, jetzt besuchen wir ihn endlich. In Lafontaines Büro im Berliner Jakob-Kaiser-Haus empfängt der Papst, als Großporträt. Zu seiner Rechten Walter Ulbricht. Grundgütiger! Warum das?

Lafontaine, erfreut: Damit ich sehen kann, wie der Besucher reagiert.