Warum sind Sie kommentarlos aus dem Amt getürmt?

Mein zweiter Irrtum. Ich wollte der SPD den besten Dienst erweisen und keine Steine werfen. Ich ahnte nicht, wie neoliberal sie sich entwickeln würde.

Fehlt Ihnen die SPD? Die Podien, die Kontakte?

Natürlich. Das war eine quälende Trennung, wie bei einer Beziehung.

Aber was wäre meine Alternative? Privatisieren?

Ganz schlicht gefragt: Warum wollte Schröder, was Sie nicht wollten?

Man kann das habituell sehen. Wir sind beide Underdogs, aus kleinen Verhältnissen aufgestiegen. Da gibts zwei Möglichkeiten: Anpassung oder Widerstand. Schröder passt sich an.

Das war so hübsch, dass es nicht besser werden konnte. Der Rest war Ausblick. Noch sei für die Linke wenig geschafft. Sie bremse den sozialen Kahlschlag. Aber Köpfe fehlten, Unterstützer aus Kultur und Intelligenz. Nötig sei ein Aufbau West. Die WASG habe dort 12000 Mitglieder, die PDS die Hälfte - dies sei zu verdoppeln, sonst bleibe das Projekt ohne Erfolg. Zur ganz großen Linksvision lasen wir Lafontaine ein Zitat aus der Neuen Berliner Illustrierten vom 8.

November 1990 vor: "Die Erfahrungen der Weimarer Zeit zeigen, daß eine Aufsplitterung der sozial progressiven Kräfte zu nichts führt." Da sagte er natürlich, die SPD sei ja nicht mehr links.

Auf jeden Fall ist sie das, sagte in Zwickau der junge Daniel Sickert.