Der russische Autokrat Wladimir Putin war also zu Besuch in Österreich. Grund seines kurzen Trips waren nicht bilaterale Beziehungen, die Auffrischung seiner Deutschkenntnisse oder etwa der Ankauf überzähliger Eurofighter – nein, er kam, um sich von österreichischen Politikern ins Gewissen reden zu lassen. Diesbezüglich konnte man den fast tollkühnen Mut unserer Granden bereits beim letzten Staatsbesuch von George W. Bush bewundern. Nicht zuletzt aufgrund der beinharten Kritik von Schüssel überdachte Bush seine Irakstrategie und wendete zu guter Letzt auch die Umweltpolitik der USA zu einem grundlegend Besseren. In Erinnerung an diesen geopolitischen Umsturz waren schon im Vorfeld Putins Skrupel offenkundig geworden, und deshalb verließ ihn auch die Courage, als er sich den knallharten Fragen heimischer Medienvertreter stellen sollte. Stellen musste sich der ehemalige KGB-Agent aber der Konfrontation mit unseren Politikern. Auch so mancher unbezahlbare Tipp blieb ihm nicht erspart. Der Dreifingerspezialist und Islamexperte Strache beriet ihn etwa in der Tschetschenienfrage und gab ihm für den besseren Umgang mit muslimischen Minderheiten den Slogan "Wodka statt Allah" mit auf den Weg. Präsident Fischer, ein glühender Rapidler, zerstreute die Bedenken des russischen Berufskollegen, Geld aus Waffengeschäften in die Jugendförderung zu investieren, und Vizekanzler Molterer verriet Insidertricks zur erfolgreichen Aktenverschleierung, die sogar Putin noch nicht kannte. Als Wladimirs Maschine wieder in Richtung Heimat abhob, blieb über dem Beton des Rollfelds nur das zurück, was den Staatsbesuch bestimmte – heiße Luft.

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben "

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