Der Tod von drei Bundeswehrsoldaten in Kunduz wird nicht dazu führen, dass der deutsche Afghanistaneinsatz ernsthaft infrage gestellt wird. Das ist das vorläufige Ergebnis der politischen Debatte nach dem Anschlag. Das mag zynisch klingen aber wäre es nicht der eigentliche Zynismus, wenn erst die Opfer die Politik an das Risiko des Einsatzes und an ihre Verantwortung erinnern würden?

Außer der Linkspartei hat niemand im politischen Berlin den Rückzug gefordert. Und selbst die Linken wollen das Ende des Engagements "schrittweise" herbeiführen. So viel Realismus muss sein.

Seit die deutsche Politik Soldaten in Auslandseinsätze schickt, kaschiert sie die gefährliche Seite der Missionen. Selbst wenn deutsche Tornados in Afghanistan Luftaufklärung betreiben, bestreitet der Verteidigungsminister, es könne sich um einen Kampfeinsatz handeln. Diese Strategie abgefederter Kommunikation mag eine Weile lang aufgehen. Allerdings wirkt dann ein Anschlag wie jetzt in Kunduz umso schockierender. Dennoch bestätigt sich die landläufige Vermutung auch diesmal nicht: Die Toten, die das Risiko des deutschen Engagements schlagartig sichtbar machen, bewirken keine politische Kehrtwende.

Trotzdem ist die Verunsicherung in den Parteien mit Händen zu greifen.

Am deutlichsten in der SPD, wo Regierungsverantwortung und Skepsis gegenüber dem Militärischen sich spannungsreich verbinden. 69 sozialdemokratische Abgeordnete haben Anfang März gegen das Mandat des Tornado-Einsatzes gestimmt. Mindestens so stark ist die kritische Unterströmung, die am Sinn des ganzen Afghanistaneinsatzes zweifelt.

Dass es für den einzelnen Abgeordneten nahezu unmöglich ist, sich ein halbwegs verlässliches Bild von der Entwicklung in Afghanistan zu machen, erhöht den Druck. Die Spanne zwischen dem SPD-Außenminister und dem SPD-Linken Ottmar Schreiner ist in den vergangenen Tagen nicht geringer geworden. Steinmeier, der gerade die Soldaten in Kunduz besuchte, verteidigt standhaft die politische Logik des Engagements, Schreiner dagegen ist nur noch einen kleinen Schritt von der Exit-Parole seines ehemaligen Parteichefs Oskar Lafontaine entfernt.

Sollte sich die Lage in Afghanistan ähnlich entwickeln wie die im Irak, wäre es "völlig unvertretbar", die Bundeswehr am Hindukusch zu belassen, sagte Schreiner.