Sieger sehen anders aus. Offensichtlich nervös, leicht nach vorne gebeugt, saß Bert Dietz am großen Tisch bei Beckmann zum Verhör. Dort, wo auch Jan Ullrich gesessen hatte, um sich in einer Talkshow von jeder Dopingschuld freizusprechen. Auch Bert Dietz ein Radprofi, aber einer, der selten etwas gewann, ein Wasserträger für die Großen, für Leute wie Jan Ullrich. Ein Typ wie wir alle auch gedopt noch irgendwie zu langsam. Ja, er habe jahrelang verbotene Substanzen eingenommen, erklärte er, als Mitglied des Rennstalls T-Mobile, einer Tochter der Deutschen Telekom. Bei Beckmann, wie zynisch, fuhr dieser Bert Dietz endlich allen davon, zum ersten Mal in seinem Leben.

Der Ex-Profi hat jetzt ein paar Feinde mehr. An seinem neuen Status ändert sich dadurch nichts: Er ist der Erste, der ohne Wenn und Aber die Unsportlichkeit gestanden hat. Es wird jetzt schwieriger, Lügengebilde weiter aufrechtzuerhalten. Allmählich verdichten sich Vermutungen zu Gewissheit, dass der Rennstall T-Mobile Mitte der neunziger Jahre ein ziemlicher Sauhaufen gewesen ist. Und der Mutterkonzern, die Deutsche Telekom? Die hat offenbar, als man von der anstehenden Beichte des ehemaligen Radrennfahrers erfuhr, reichlich nervös reagiert. Offensichtlich hätte man das Outing lieber nicht gesehen oder, wenn schon, selber präsentiert. Bert Dietz jedenfalls wird zurückkehren nach Leipzig, er wird in seinem Laden wieder Fahrräder verkaufen. So sehen Sieger aus.