Der Plan der Unternehmen ist so logisch wie einfach. Nach dem 1. Juli werden voraussichtlich einige Hundert Stromanbieter ihre Preise erhöhen. Hindern kann sie daran niemand mehr. An diesem Tag endet nämlich die staatliche Kontrolle der Tarife. Die Versorger müssen ihre Kalkulationen nicht mehr von Behörden genehmigen lassen und langen deshalb besonders kräftig zu.

Die neue Freiheit vor Augen, hatten Stadtwerke, Regionalversorger und die Großen der Branche zuletzt bewusst auf den Stress verzichtet, Tariferhöhungen zu beantragen. Vorher hatten solche Anträge ihnen vor allem Ärger mit Politikern eingebracht und oft auch ablehnende Bescheide. Im Juli ist es damit vorbei, weil die Bundestarifordnung Elektrizität ihre Gültigkeit verliert. Die Preise für Otto Normalverbraucher können dann so steigen, wie es die Anbieter wollen.

Theoretisch gibt es am Tun der Versorger nichts auszusetzen. Der Strommarkt ist liberalisiert, als natürliches Monopol stehen die Netze unter Aufsicht, Stromerzeugung und vertrieb wirtschaften getrennt, und die Preise bilden sich an der Börse.

Ist also alles im grünen Bereich?

Mitnichten. Noch immer bestimmt nicht das Spiel von Angebot und Nachfrage den Preis, sondern die Macht der Stromerzeuger. Vier Konzerne beherrschen den Markt, denn der Börse fehlt es an Liquidität.

So begründen die Konzerne ihre steigenden Tarife lapidar mit "gestiegenen Beschaffungskosten". Obwohl die Börsenpreise seit einem Jahr eher fallen. Obwohl der Preis für die Emissionszertifikate von einst 30 Euro auf rund 20 Eurocent abgestürzt ist.

Das Dilemma lösen können Politik und Verbraucher nur gemeinsam. Die Politik muss endlich die Macht der Erzeuger wirksam begrenzen. Und die Verbraucher sollten das Gebaren ihrer angestammten Versorger vor allem als Aufforderung zum Wechseln verstehen. Sie könnten mit dem Schritt zu anderen Anbietern nicht nur den Wettbewerb ankurbeln, sondern auch den Klimawandel ein wenig begrenzen. Ein Vergleich der Tarife verrät nämlich, dass einige Ökostromanbieter von den saftigen Aufschlägen auf herkömmliche Elektrizität profitieren, relativ gesehen: Deren Kunden beziehen klimafreundlichen Strom jetzt vergleichsweise preiswert.