Sie sind mitten unter uns. Fest verankert im medizinischen und universitären System. Andreas Schmid und Lothar Heinrich, zwei Ärzte, die im Hauptberuf Freizeitsportler behandelten und als Oberärzte an der Universitätsklinik Freiburg tätig waren, an einem der renommiertesten Zentren für Sportmedizin in Deutschland. Zwei Mediziner, die im Nebenberuf Radsportler mit unerlaubten Mitteln zu Höchstleistungen trieben, die nebenbei ein System organisierten, das man doch in Deutschland eigentlich nur aus der Vergangenheit kannte, aus der DDR (siehe auch Seite 22).

Wie damals wurde für den Erfolg einiges in Kauf genommen. Betrug an den Konkurrenten, Betrug am Sport, an den Fans und an den gedopten Sportlern selbst. Jeder Arzt weiß, dass ein Mittel wie Epo nicht einfach nur die Anzahl der roten Blutkörperchen erhöht und damit die Ausdauer der Radfahrer verlängert. Er weiß auch, dass Epo Nebenwirkungen haben und die Gesundheit der Radfahrer, ja sogar ihr Leben gefährden kann.

Einer der wichtigsten ärztlichen Grundsätze lautet: primum non nocere vor allem nicht schaden. Einem gesunden Radfahrer spritzt man also kein Epo jedenfalls nicht, wenn man seine Profession richtig versteht. Vielleicht haben die Ärzte der Freiburger Universitätsklinik Glück, und sie müssen nicht vor Gericht, weil ihre Straftaten verjährt sind. Aber wie im Falle der DDR-Mediziner werden diese Untaten auch auf ihnen ein Leben lang lasten.