Oha, schwerer Linksschwenk in Deutschland. Sogar Heiner Geißler geht noch mal waghalsig ins Trapez, damit die Jolle Fahrt kriegt. Die neoliberalen Klabautermänner hat es von den Planken gefegt, sie sind resigniert, pensioniert oder gerade vom Dienst suspendiert. Überall wird der Kapitalismus gezähmt, genauer gesagt wird überall davon geredet. Die strukturelle Mehrheit schlägt links. Nicht nur in Heiligendamm. Links hinten brennt der Reifen von Chefredakteur Kai Diekmanns Mercedes (Bild = "Rote Gruppe": Achtung Tarnung!). In der Süddeutschen Zeitung will Professor Habermas gleich die ganze Presse verstaatlichen. Koalitionstechnisch sind Farbenspiele möglich, die hat keiner je gesehen. Und Pfingsten, das Erweckungsfest, steht erst noch ins Haus!

Doch wer soll das Schiff sicher nach backbord lenken, wer wird unser aller Captain left? So einfach ist das nicht, diese linke Crew, zänkisch und voller Misstrauen, wie sie ist, unter ein Fähnlein zu vereinen. Soll Lothar Bisky das machen? Zu traurig. Claudia Roth? Nie wird ein unverbesserliches fashion victim eine Volksfront anführen.

Oskar Lafontaine? Im Saarland ist er ohne Zweifel populär, außerdem hat er mit den Journalisten vor ein paar Jahren Schlehenschnaps getrunken, das ist verbürgt, als hätte er damals schon geahnt, dass Jürgen Habermas jetzt die Presse verstaatlichen will. Aber da ist dieses Toskana-Elitäre und dieses Besserwessihafte

Am Ende muss es doch Kurt Beck machen, denn der ist nicht so zimperlich. Beck kommt aus einer Welt, in der die Männer Pullunder tragen und einen Problemhaarwuchs haben. Beck küsst auch Weinköniginnen, die man normalerweise lieber ungeküsst ließe. Der Sozialdemokrat Beck ist der kleinste gemeinsame strukturell linke Nenner. Das Original. Wenn er jetzt noch eine richtige Party an Bord schmeißt, wo die Stones (Steinmeier und Steinbrück) spielen, wo Claudia Roth ihren Kleiderschrank öffnet und Oskar Lafontaine im Fummel tanzt, wo Lothar Bisky den Magarinechor der russischen Schwarzmarktflotte dirigiert, dann kann es echt was werden. Aber vorher muss einer bitte noch Heiner Geißler aus dem Trapez helfen.