Die Agentur Magnum hat mich gebeten, eine Installation für sie zu kuratieren. Sie wird von Ende Mai an auf einem digitalen Billboard am Times Square in New York zu sehen sein und im Internet (www.

magnumphotos.com). Ich bin mit den ikonografischen Fotografien der Agentur vertraut, den Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Nachkriegszeit. Aber es waren andere Bilder, die ich in eine moderne Beziehung setzen wollte. Bei der Auswahl habe ich mich im weitesten Sinne auf Bilder von Künstlern und ihren Arbeitsstätten konzentriert. Kunst und Künstler sind ein gnadenlos gehyptes Thema. Die allgemeine Wahrnehmung der Kunstszene ist vollständig manipuliert von durchdesignten Galerien, unterhaltenden Museumsausstellungen und spektakulären Auktionserlösen. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass Künstler niemals in so einem Umfeld beginnen.

Für den Künstler ist es lebenswichtig, die soziale Auseinandersetzung auf der Straße zu erleben, während er gleichzeitig fähig sein muss, sie in der Abgeschiedenheit seines Ateliers zu verfremden. Mir ist bewusst, wie utopisch so ein Gedanke in Manhattan oder anderen Kulturzentren klingt wo die Mieten explodieren und Künstler sich kaum über Wasser halten können. Das Künstlerstudio ist vielleicht der letzte Untergrund. Ich möchte daran glauben, dass er noch immer existiert. Jedes Atelier hat seine eigene Geschichte. Unter den besten Umständen ist es ein Fenster in die Seele von künstlerischer Zwanghaftigkeit, von Entschlossenheit und Selbstzweifel. Man muss die Möglichkeit solcher Freiräume für den Nachwuchs erhalten. Ich hoffe, dass gerade junge Menschen der Multimedia-Generation durch die Ausstellung an Magnum und die Fotokunst herangeführt werden.

Bei mir war es oft die Freundschaft zu Künstlern und Fotografen, aus der mein Verständnis für Kunst entstand. Die Freundschaft zu dem Wiener Maler Kurt Kocherscheidt begeisterte mich für abstrakte Formen.

Mitte der neunziger Jahre prägte mich der Maler Martin Kippenberger mit seinen Provokationen ein exzentrischer, aber liebenswerter Alkoholiker. Als er 1996 die Fotografin Elfie Semotan heiratete, war ich Trauzeuge und kleidete beide ein. Mein Interesse für Fotografie erwachte, als ich begann, Mode zu entwerfen. Fotos wurden ein wichtiges Nebenprodukt, teils für die Dokumentation, teilweise als Weiterinterpretation.

Ich bin bekannt dafür, dass ich nicht gerne fotografiert werde.

Hauptsächlich, weil ich nicht schlecht ausschauen möchte. Im Zeitalter der Fotohandys und aggressiven Amateur-Paparazzi werden Gänge über den roten Teppich für mich zur Folter. Was den alten Schwarz-Weiß-Passbildautomaten zu einem schwer vermissten professionellen Freund macht.