Es gibt Berufe, die haben in Deutschland ein ähnlich schlechtes Image wie der des Schiffschaukelbremsers der des Politikers zum Beispiel oder der des Journalisten. Seit Kurzem trifft es auch einen Beruf, der einst über allen anderen strahlte: den des Arztes. Gesundheitsreform, Praxisgebühr und nun auch Das Ärztehasserbuch des ehemaligen Assistenzarztes Werner Bartens sind schuld daran. Bartens schreibt, dass Ärzte Kassenpatienten AOK-Schweine nennen, dass sie bei Kaiserschnitten mit der Stoppuhr arbeiten, um Rekorde aufzustellen, und unrentable Notfälle nicht aufnehmen. Die Empörung ist groß, doch das Fernsehen bietet Rettung, denn es zeigt Arztserien, die alles transportieren, was das Medium kann: Humor, Sehnsucht, Tragik, Glück, Tod, Liebe, Trost. Die besten Serien kommen aus den USA, wo die Probleme des Gesundheitswesens noch viel größer sind als in Deutschland. Die Serie Emergency Room setzte Mitte der Neunziger Maßstäbe in Sachen Tempo und Kameraführung, entscheidend aber war: Die Ärzte sind keine Helden, sie verzweifeln an ihrem Beruf und an sich selbst, versagen im OP und zu Hause, sie sind Menschen, die sich bemühen und oft scheitern. Das Prinzip wurde weitergedreht, die neuen Serien heißen Dr. House (RTL, siehe Foto), Scrubbs und Greys Anatomy (beide ProSieben). Während bei Dr. House jedes Mal die schier unmögliche Heilung eines Patienten durch einen menschenverachtenden, genialen Arzt im Vordergrund steht, geht es bei Scrubbs und Greys Anatomy um Ärzte am Anfang ihrer Karriere und bei den weiblichen Protagonisten von Greys Anatomy um Liebe in Zeiten der Cholera und anderer ansteckender Krankheiten. Vielleicht kann deutschen Fernsehmachern nichts Besseres passieren als das Imageproblem der Mediziner. Vielleicht schreiben sie nun auch für deutsche Serien Dialoge wie diesen: Als House gefragt wird, ob er mit dem Patienten schon über dessen Krankheit gesprochen habe, sagt er: Nein. Wieso?

Ist er Arzt? Sätze, die für Patienten die Hölle sind, für Zuschauer ein Genuss.